SPIEGEL ONLINE - 24. Oktober 2004, 11:26

Tarifkonflikt bei Porsche
 
"Nichts für Weicheier"

Opel ist stark ramponiert, Volkswagen schwächelt, Porsche dagegen geht es bisher prächtig. Dennoch will der hochprofitable Autohersteller längere Arbeitszeiten durchsetzen - vorsorglich, es könnten ja schlechtere Zeiten kommen. Der Betriebsrat zeigt bereits die Zähne und droht heftige Gegenwehr an.

Auch Porsche steuert auf einen harten Konflikt um längere Arbeitszeiten zu. "Ich werde nicht zulassen, dass Menschen umsonst arbeiten. Das werden sehr harte Verhandlungen, nichts für Weicheier", sagte Betriebsrats-Chef Uwe Hück der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Jede Ausweitung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich sei "unmoralisch". Lösungen wie bei Siemens oder DaimlerChrysler werde es mit ihm nicht geben: "Die Zeit der Pampers-Träger in Deutschland geht zu Ende."

Bei Porsche läuft im Sommer 2005 ein Vertrag zur Standortsicherung aus. In den Gesprächen über eine Neuauflage, die Vorstandschef Wendelin Wiedeking derzeit mit dem Betriebsrat führt, geht es nach Angaben der Zeitung unter anderem um die so genannte Steinkühler-Pause. "Die fünf Minuten pro Stunde ergeben auf das Jahr gerechnet 18 Arbeitstage", rechnete der Porsche-Vorstand vor.

Vom Ausgang des Konfliktes dürfte auch abhängen, ob und wo Wiedeking eine vierte Porsche-Reihe fertigen lässt. Uwe Hück will auch in dieser Frage hart bleiben: "Ich akzeptiere nicht, dass die Reihe außerhalb Deutschlands gebaut wird."

Wiedeking hatte bereits Anfang der Woche Einschnitte bei der Belegschaft angekündigt, die sich auf Veränderungen einstellen müsse, um das Unternehmen für die Zukunft fit zu machen. Der Sportwagenbauer macht zwar derzeit gute Geschäfte, ist aber stark vom amerikanischen Markt abhängig. Dort erreicht Porsche gut ein Drittel des Umsatzes und will sparen, um sich gegen das Wechselkursrisiko zu wappnen. "Langfristig muss man auch mit einem ungünstigen Dollarkurs leben. Auf Währungsveränderungen muss man eine strategische Antwort haben", sagte Wiedeking kürzlich der "Financial Times Deutschland".