Stoiber will Wochenarbeitszeit verlängern

Egal ob länger oder kürzer: Das Thema Arbeitszeit füllt das Sommerloch. Nach dem gescheiterten Streik der IG Metall für die Einführung der 35-Stunden-Woche im Osten will der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber die Wochenarbeitszeit jetzt sogar um zwei bis drei Stunden verlängern.

Stoiber will zwei bis drei Stunden mehr Arbeit in der Woche
"Ich bin überzeugt, dass eine sehr große Mehrheit der Arbeitnehmer bereit ist, auch einmal zwei oder drei Stunden pro Woche länger zu arbeiten, wenn so Arbeitsplatz und Gehalt gesichert werden können", sagte der CSU-Vorsitzende in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Focus".

Sicherheit bedeutet den Menschen mehr
Der gescheiterte Metallarbeiter-Streik zeige deutlich, dass den Bürgern Sicherheit wichtiger sei als zwei oder drei Stunden mehr oder weniger Arbeit. Die Menschen seien flexibler, als viele Betonköpfe in der SPD und den Gewerkschaften glauben machen wollten, fügte der bayerische Ministerpräsident hinzu.

"Mehr Liberalisierung am Arbeitsmarkt"
Mit Blick auf die Reformpläne der rot-grünen Bundesregierung forderte Stoiber, bis zum Ende der Sommerpause "auch eine mutige Liberalisierung unseres völlig überregulierten Arbeitsmarktes vorzulegen". Alles, was das Kabinett bisher präsentiert habe, habe auf dem Arbeitsmarkt nichts bewegt.

Clement auch für längere Arbeitszeiten
Dabei findet Stoiber mit seiner Forderung auch Unterstützer in den Reihen der Regierung: Wirtschafts- und Arbeitsminister Wolfgang Clement sprach sich wiederholt für eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit aus. Unlängst sagte Clement, die Deutschen müssten sich darüber klar werden, dass das Verhältnis zwischen Arbeitszeit und Freizeit mittlerweile ausgereizt sei. Mit Blick auf den Streik der IG Metall für eine Arbeitszeitverkürzung im Osten sagte der Minister, es sei ein Irrtum, zu glauben, dass durch eine geringere Wochenarbeitszeit mehr Arbeitsplätze geschaffen werden. Er befürchte statt dessen einen Verlust von Stellen.

Rüttgers will Abschaffung der Frühverrentung
Auch der Landesvorsitzende der nordrhein-westfälischen CDU, Jürgen Rüttgers, sprach sich für eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit aus. "Es führt kein Weg daran vorbei, künftig mehr zu arbeiten", sagte Rüttgers. Zudem forderte er, die Frühverrentung von Arbeitnehmern zu beenden. Die Programme zur Frühverrentung hätten "keinen einzigen neuen Arbeitsplatz geschaffen, sondern dazu beigetragen, dass viele Unternehmen rascher Stellen abgebaut haben." Den Arbeitnehmern sollte stattdessen ermöglicht werden, auch über das 65. Lebensjahr hinaus zu arbeiten.