Stoiber will den Abschied von der 35-Stunden-Woche

Die Deutschen sollen mehr arbeiten. Das fordert der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber zu Beginn des neuen Jahres. Er schlägt vor, die Wochenarbeitszeit zu erhöhen. Wenn es nach ihm ginge, sollte wieder die 40-Stunden-Woche für alle Arbeitnehmer eingeführt werden. Er sagte dem Magazin "Focus": "Die generelle Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche darf auch für die Tarifpartner nicht länger ein Tabu sein. Wir müssen in diesem Jahr ernsthaft über den Abschied von der 35-Stunden-Woche reden."

 

Stoiber rechnet mit Verständnis
Der CSU-Vorsitzende glaubt fest daran, dass auf diese Weise die Wirtschaft angekurbelt wird. Obwohl eine solche Forderung als unpopulär gilt, rechnet er fest mit dem Verständnis der Arbeitnehmer. Die meisten seien bereit, für den gleichen Lohn pro Woche ein oder zwei Stunden länger zu arbeiten, "wenn so Arbeitsplatz und Einkommen gesichert werden können", ist er überzeugt.

 

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Feiertage sollen nicht gestrichen werden
Jede Stunde Mehrarbeit pro Woche bringe ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent, sagte Stoiber. So könnten 60.000 neue Stellen geschaffen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, will er auf keinen Fall Feiertage opfern. Dann "sollten wir eher auf ein oder zwei Urlaubstage verzichten." Deutschland habe nicht nur die drittniedrigste Arbeitszeit aller OECD-Staaten, sondern sei "zu allem Überfluss auch noch Urlaubsweltmeister".

 

Protest der IG Metall
Die IG Metall protestierte gegen die Ideen aus Bayern. Eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche würde nach Einschätzung der Gewerkschaft allein in der Metall- und Elektroindustrie 435.000 Arbeitsplätze kosten. "Die Vorstellungen von Herrn Stoiber sind skurril und zeugen nur von geringem ökonomischen Sachverstand", sagte der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters. Das Bruttosozialprodukt sei besser mit Arbeit für die zu steigern, die keine haben, als mit Mehrarbeit.