Stahlzölle
USA provozieren Handelskrieg

US-Präsident George W. Bush hat entschieden, marode US-Stahlkonzerne durch Importzölle zwischen 8 und 30 Prozent vor ausländischen Konkurrenten zu schützen. Die EU-Kommission hat bereits reagiert.

In der Stahlindustrie stehen Arbeitsplätze auf dem Spiel (Foto: dpa)Zölle ab 20. März
Der US-Handelsbeauftragte Robert Zoellick hatte am Dienstag in Washington die Entscheidung für Zölle mitgeteilt. "Diese Hilfe wird Stahlarbeitern, von der Stahlindustrie abhängigen Gemeinden und der Stahlindustrie bei der Restrukturierung helfen, ohne unsere Wirtschaft zu schädigen", heißt es in einer Erklärung von Bush. Die Zölle sollen ab dem 20. März für drei Jahre gelten. Washington provoziert damit einen weltweiten Handelskrieg und belastet die Beziehungen zu wichtigen internationalen Partnern - auch im Kampf gegen den internationalen Terror.

EU reagiert
EU-Kommissionspräsident Romano Prodi erklärte, die Europäische Union habe "keine andere Wahl, als zu reagieren". Wie aus Kommissionskreisen verlautete, will Brüssel sofort bei der Welthandelsorganisation (WTO) klagen. Dem werden sich wohl andere Exporteure anschließen. "Es wird eine Sammelklage aller betroffenen Länder geben", sagte ein Anwalt, der asiatische Exporteure in diesem Fall vertritt.

Protest - Weltweite Reaktionen

Schröder besorgt
Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte noch vor der Entscheidung in einem Brief an Bush von seiner "großen Besorgnis" geschrieben. Schröder habe erwähnt, dass ein harter Kurs der USA im Stahldisput den Erfolg der Anti-Terror-Koalition nicht erleichtern werde, sagten Diplomaten. "Er lässt den Hinweis auf die sicherheitspolitische Zusammenarbeit durchklingen", verlautete aus Berliner Regierungskreisen. Das Kanzleramt bestätigte, dass der Brief abgeschickt wurde.

Russland äußert Unmut
Russland, zentraler Partner in Washingtons Anti-Terror-Koalition, bestellte den US-Botschafter ein, um dem Unmut über Washingtons Kurs zu übermitteln. Russland ist das Land mit den größten Stahlexporten der Welt.

Deutsche Industrie mit am stärksten betroffen
Mit am stärksten betroffen ist die deutsche Stahlindustrie. Aus Deutschland beziehen die USA nach Kanada, Japan, Südkorea und Mexiko die meisten Stahlimporte - 2000 waren das Einfuhren im Wert von insgesamt 1,2 Mrd. $.

Entscheidung höher als erwartet
Washingtons Entscheidung fällt noch härter aus als erwartet. Zuletzt war damit gerechnet worden, dass Bush weit hinter den von der Industrie geforderten 40-prozentigen Zöllen zurückbleiben und zwischen 20 und 25 Prozent verhängen werde. Nun beschloss er für Flachwalzstahl, die größte Importkategorie, 30 Prozent. Auch andere Walzstähle und Bleche werden mit 30 Prozent belegt. Geschont bleiben Importe aus Kanada und Mexiko sowie einigen Entwicklungsländern. Andere große Exporteure wie Japan, Südkorea, China und Russland werden leiden und neue Märkte suchen - zum Beispiel die EU. Dagegen will sich Brüssel seinerseits mit Zöllen und Quoten schützen.

Quelle: Financial Times Deutschland

 

Schutzzölle lassen US-Stahlpreise steigen
Stahlanbieter aus Europa profitieren

Stahlherstellung (Foto: dpa)Die Stahlpreise in den USA sind stark angestiegen. Die US-Regierung hatte seit März ausländischen Stahl mit bis zu 30 Prozent hohen Einfuhrzöllen belegt. Diese Maßnahme war gedacht, um die amerikanische Stahlkocher vor der ausländischen Konkurrenz zu schützen.

Verkauf in die USA lohne sich wieder
Durch die anziehende Konjunktur in den USA und der sinkenden Einfuhr aus dem Ausland ist auf dem amerikanischen Markt eine Verknappung von Stahlmaterialien eingetreten. Dadurch sind die Preise um bis zu 70 Prozent angestiegen. Wie die österreichische Zeitung "Die Presse" meldet, lohne sich durch die gestiegenen Preise, wieder der Verkauf in den USA. Das Blatt zitiert aus einem unveröffentlichten Bericht der deutschen "Wirtschaftsvereinigung Stahl": "Lieferungen in den US-Markt sind trotz der Zollbelastung attraktiv. Die Stahlbestände bei den Verarbeitern sind stark abgeschmolzen, so dass sie über den aktuellen Bedarf hinaus ordern. In Erwartung steigender Preise werden Aufträge vorgezogen."

Langfristig negative Auswirkungen
Die angestiegenen Stahlpreise in den USA haben zur Folge, dass auch Produkte wie Autos und weitere Konsumgüter teurer werden. Der sinkende Dollarkurs gegenüber dem Euro verschärft zusätzlich die Situation. Die steigende Preise könnte dazu führen, dass die amerikanische Zentralbank sich genötigt sieht, die Zinsen raufzusetzen, um die Inflation zu bekämpfen. Dies wiederum hätte negative Auswirkungen auf die anspringende Konjunktur in den USA.
13.6.02

dpa/oba 

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