Sozialhilfequote hat sich verdreifacht (t-news 18.11.03)

Die Zahl der Sozialhilfeempfänger in Deutschland hat sich in den letzten 40 Jahren mehr als verdreifacht. Das Statistische Bundesamt meldete, dass im Jahr 1963 beim Inkrafttreten des Bundessozialhilfegesetzes nur ein Prozent der Bevölkerung Unterstützung erhielten. Im Jahr 2002 waren es 3,3 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr zeigt sich ein geringer Anstieg. Von 2001 auf 2002 kamen in Westdeutschland zwei Prozent dazu. Deutlicher ist der Anstieg in den neuen Bundesländern mit sieben Prozent.

 

Sozialhilfeempfänger werden immer jünger
Auffällig ist, dass die Sozialhilfeempfänger immer jünger werden: Der Anteil von Kindern unter 18 Jahren stieg von 32 auf 37 Prozent. Familien mit Kindern beantragen also häufiger Sozialhilfe als Familien ohne Kinder und dieser Trend nimmt zu. Während in der Diskussion um die Rentenpolitik immer wieder von der Altersarmut die Rede ist, zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes einen entgegen gesetzten Trend: Die Sozialhilfeempfänger über 65 Jahre sind von 28 Prozent auf sieben Prozent zurückgegangen.

 

Hoher Ausländeranteil
Zwischen 1965 und 2002 ist der Anteil ausländischer Sozialhilfeempfänger von drei auf 22 Prozent gestiegen. Von insgesamt 2,76 Millionen Empfängern im Jahr 2002 sind 2,14 Millionen Deutsche und 614.000 Ausländer. Der Ausländeranteil liegt also bei etwas mehr als einem Fünftel. Verglichen mit der Anzahl der Ausländer an der Gesamtbevölkerung, der knapp unter neun Prozent liegt, ist die Zahl ausländischer Sozialhilfeempfänger also hoch. Ausländer sind stärker auf staatliche Unterstützung angewiesen, weil sie mehr Kinder in die Welt setzen, häufiger von Arbeitslosigkeit betroffen sind und seltener Bildungsabschlüsse vorweisen können.

 

Frauen sind hilfsbedürftiger als Männer
Mit rund 56% überwogen bei den Sozialhilfeempfängern die weiblichen Bezieher. Auch hier spielen Kinder eine wichtige Rolle, denn besonders betroffen sind allein erziehende Mütter. Unter insgesamt 1,2 Millionen Sozialhilfehaushalten gab es 340.000 mit allein erziehenden Frauen. In Deutschland ist mittlerweile jede vierte ledige Mutter auf Sozialhilfe angewiesen. Je höher die Zahl der Kinder, desto größer ist das Risiko auf Sozialhilfe angewiesen zu sein.

 

Sozialhilfe spiegelt den Arbeitsmarkt
Die Sozialhilfequote sowie die Arbeitslosenquote haben sich im Zeitverlauf ähnlich entwickelt, wenngleich auf unterschiedlichem Niveau. Während sich die Sozialhilfequote mehr als verdreifacht hat, stieg die Arbeitslosenquote von 0,8 auf 10,8 Prozent. Der Rückblick zeigt, dass das Bundessozialhilfegesetz in einer Zeit der Vollbeschäftigung und des wirtschaftlichen Aufschwungs in Kraft getreten ist und in den ersten Jahren auf Grund der relativ geringen Inanspruchnahme eher den Charakter einer Hilfe für den Sonderfall hatte. Durch die stark gestiegene Arbeitslosigkeit sind insbesondere seit Beginn der achtziger Jahre immer mehr Menschen in Deutschland auf staatliche Unterstützung angewiesen.

 

Trend zur Langzeitarbeitslosigkeit
Unter den arbeitslos gemeldeten Sozialhilfeempfängern sind viele bereits seit Jahren ohne Beschäftigung. Die Dauer der Arbeitslosigkeit in dieser Gruppe betrug 2002 im Durchschnitt 34 Monate und lag damit um sieben Monate über dem Wert von 1997. Die Zeiträume ohne Beschäftigung werden also länger. In der gesamten deutschen Bevölkerung sind knapp ein Drittel aller Arbeitslosen länger als ein Jahr ohne Beschäftigung. Bei den Sozialhilfeempfängern ist dieser Anteil mit über 60 Prozent nahezu doppelt so hoch. Je länger die Arbeitslosigkeit andauert, desto wahrscheinlicher wird ein Abrutschen in die Sozialhilfe.