Skandal weitet sich aus
Sondermüll-Asche im Straßenbau entsorgt

Die Einfahrt des Rethmann Lippewerks in Lünen (Foto: dpa)Der Skandal um die vermutlich illegale Verbrennung großer Mengen Sondermülls durch die nordrhein-westfälische Firma Rethmann-Entsorgungs AG weitet sich aus. Nach Erkenntnissen der Ermittler dürfte die Asche zur Herstellung von Straßenbelägen verwendet worden sein. "Die Verbrennungsasche verkaufte Rethmann an Straßenbaufirmen, jetzt schlummert das Gift überall", sagte Oberstaatsanwalt Georg Nauth von der ermittelnden Staatsanwaltschaft Darmstadt dem Nachrichtenmagazin "Focus".

300 Firmen in Skandal verwickelt
Rund 300 deutsche Firmen sollen Abfälle an die Essener Firma Kleinholz geliefert haben, die als Zwischenhändler fungierte. Das Material wurde dann im Recycling-Kraftwerk der Firma Rethmann in Lünen verbrannt. Nauth sagte: "Kleinholz hat wohl den Müll so vermischt, dass er für Rethmann den geeigneten Brennwert hatte."

25.600 Tonnen Sondermüll falsch etikettiert
Von 77.000 Tonnen, die von Januar 1998 bis Mai 1999 auf diese Weise entsorgt worden seien, hätte Rethmann über ein Drittel nicht verbrennen dürfen, berichtet das Magazin. Dies sei das Ergebnis von Untersuchungen von Rückstellungsproben, die im Auftrag der Staatsanwaltschaft von dem Institut Fresenius vorgenommen worden seien. Die Chemiker hätten unter anderem Krebs erregendes PCB und das giftige Schwermetall Cadmium entdeckt. Bei unsachgemäßer Verbrennung von PCB könne Dioxin freigesetzt werden.

Zwölf bis 15 Millionen Euro gespart
Die Firma Rethmannsoll "10,2 Millionen Euro eingestrichen haben". Eine legale Entsorgung als Sondermüll wäre die beteiligten Firmen viel teurer gekommen. Nach Ansicht von Michael Müller, dem stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, dürften sie zwölf bis 15 Millionen Euro gespart haben. Müller forderte, es müsse geklärt werden, "ob eine solche illegale Praxis durch Verschiebungen zwischen Entsorgungsfirmen noch weit stärker verbreitet ist". Die beschuldigten Firmen wiesen die Vorwürfe als unbegründet zurück.

Auch Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz betroffen
In Hessen seien weniger als 20 Firmen betroffen, gab die Staatsanwaltschaft bekannt. Unter anderem sei auch in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz wegen Verdachts der unerlaubten Abfallbeseitigung ermittelt worden. Das mögliche Strafmaß reicht von Geldstrafen bis zu fünf Jahren Haft. Wann die Ermittlungen abgeschlossen werden, sei noch nicht abzusehen.

Informationen  Startseite