Schuften für den Aufschwung

Länger arbeiten für den Aufschwung? CDU-Chefin Angela Merkel plädiert für eine längere Wochenarbeitszeit: "Wir brauchen in ganz Deutschland eine Aufbruchsstimmung, damit wir unseren Wohlstand sichern und Arbeitsplätze neu schaffen können, argumentiert sie in der "Bild am Sonntag". "Jeder wird dazu einen Teil beitragen müssen." Die IG Metall in Ostdeutschland sieht das anders: Im Kampf um die 35-Stunden Woche stehen die Zeichen längst auf Streik.

Ein oder zwei Stunden die Woche mehr
"Ich bin mir ganz sicher, dass die allermeisten Bürger bereit wären, in der Woche ein oder zwei Stunden mehr zu arbeiten, weil damit ihr Arbeitsplatz sicherer würde und sogar neue Arbeitsplätze geschaffen werden könnten", meint die CDU-Chefin. "Deshalb darf dieses Thema kein Tabu sein." Bei den Beamten würden schließlich auch längere Arbeitszeiten verordnet. Deutschland müsse "endlich weg vom Tabellenende in Europa bei Wachstum und Investitionen".

IG Metall-Streik: "fern jeglicher Realität"
Den Streik der IG Metall im Osten Deutschlands für die 35-Stunden-Woche nennt Merkel "fern jeglicher Realität". Die Geschichte werde "über die Gewerkschaften hinweggehen, wenn sie sich den Realitäten nicht stellen". Mit einem Streik würde "in einer Phase größter wirtschaftlicher Probleme der letzte Standortvorteil Ostdeutschlands zerstört und die Metall verarbeitende Industrie mit samt ihren Jobs ins Ausland getrieben."

Zeichen stehen auf Streik
Im Osten allerdings wird ein Streik immer wahrscheinlicher. Stellt die Tarifkommission am Dienstag das Scheitern der Verhandlungen in der Metallbranche fest, dann werde eine Urabstimmung auf den Weg gebracht, erklärte der IG Metall-Bezirksleiter für Berlin und Brandenburg Hasso Düvel in der "Welt am Sonntag". "Wir sind sicher, dass eine Urabstimmung die erforderliche Mehrheit von 75 Prozent bringen würde. Das führt dann unweigerlich zum Streik."

Beispiel Schweiz
Auch die Arbeitgeberseite zeigt sich unnachgiebig: "Die Reduzierung der Wochenarbeitszeit von 38 auf 35 Stunden in Westdeutschland in den 80er Jahren war der schwerste tarifpolitische Fehler überhaupt", schimpft der Chef des Arbeitgeberverbandes Sachsenmetall Bodo Finger im selben Blatt. Vielmehr solle die Arbeitszeit in Westdeutschland noch einmal unter die Lupe genommen werden. Schließlich seien auch in der Schweiz 39 oder 40 Stunden pro Woche "kein Thema mehr".

Für Betriebe nicht verkraftbar
Auch der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Klaus Zimmermann hält die 35-Stunden-Woche in den neuen Ländern für "verfehlt". Das entspreche einem Lohnanstieg um acht Prozent, und das sei für viele Betriebe "kaum verkraftbar".

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