Proteste gegen "Stasi 2.0"

(sac/Reuters/dpa) - In Berlin haben mehr als zehntausend Menschen gegen Online-Überwachung und für mehr Datenschutz demonstriert. Der Protest richtete sich unter anderem gegen das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung.

 

Demo gegen Datenspeicherung
Mehrere tausend Menschen demonstrierten in Berlin gegen die Speicherung personenbezogener Daten.
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Unter dem Motto: "Freiheit statt Angst - Stoppt den Überwachungswahn" zogen die Demonstranten lärmend vom Alexanderplatz zur Abschlusskundgebung am Brandenburger Tor. Auf Plakaten und Transparenten forderten sie die Rücknahme von Sicherheitsgesetzen, den Verzicht auf Online-Überwachung und mehr Datenschutz.

"Wir sind das Volk und nicht der Feind", stand auf einem Plakat. Die Demonstranten skandierten Sprechchöre wie "Wer heute noch darüber lacht, wird morgen früh schon überwacht" und "Wir sind hier, wird sind laut, weil man uns die Daten klaut".

Großdemonstration für Datenschutz: Mehr als Zehntausend protestierten in Berlin
Großdemonstration für Datenschutz: Mehr als Zehntausend protestierten in Berlin.

 

Der Vorsitzende der Freien Ärzteschaft, Martin Grauduszus, kritisierte, mit der von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) geplanten Gesundheitskarte werde das "Grundvertrauen zwischen Arzt und Patient" geopfert. Andere Redner verwiesen auf die aktuellen Datenpannen bei der Telekom. Dies habe gezeigt, dass Daten "niemals sicher sind". Viele Demonstranten trugen T-Shirts mit dem Konterfei von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble und dem Schriftzug: "Stasi 2.0". Nach Angaben der Veranstalter nahmen rund 50.000 Menschen teil, die Polizei sprach von weniger als 20.000.

Zu der Demonstration im Rahmen eines internationalen Aktionstages gegen Datenspeicherung hatte ein Bündnis aus 117 Organisationen aufgerufen, darunter der DGB, der Deutsche Anwaltsverein, Ärzte, Journalisten und Künstler.

 

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