junge Welt vom 07.04.2005
 
Titel

Profitmaschine Rüstung

Die Luft- und Raumfahrtindustrie erteilt der Bundeswehr neue Aufträge. Das Geschäft mit dem Krieg bringt langfristig den größten Gewinnzuwachs

Frank Brendle
 
Mehr Umsatz mit weniger Beschäftigten: Zufrieden mit dem zurückliegenden Geschäftsjahr zeigte sich Mittwoch der Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI). Der Umsatz der rund 150 Mitgliedsunternehmen habe sich 2004 um 1,9 Prozent auf 16 Milliarden Euro erhöht, teilte der Verband auf einer Pressekonferenz in Berlin mit. Gleichzeitig sank die Zahl der Mitarbeiter um 1,3 Prozent auf 69300. Die Aussichten der Branche für die Zukunft bewertete Verbandspräsident Rainer Hertrich als »sehr gut«, es seien weitere Umsatzsteigerungen zu erwarten. Daß sich diese positiv auf die Anzahl der Arbeitsplätze auswirken werden, wollte er allerdings nicht in Aussicht stellen. Ausschlaggebend für die Umsatzsteigerung sei vor allem die zivile Luftfahrt gewesen, hier habe sich die »äußerst positive« Entwicklung bei Airbus ausgewirkt. Der Konzern produziert derzeit das Passagierflugzeug A 380, dessen Probeflüge im April beginnen sollen.

»Sorgenkind« des Verbandes sei der Raumfahrtbereich. Zwar gab es auch hier eine Umsatzsteigerung auf nunmehr 1,2 Milliarden Euro, worum sich der Verband sorgt, sind indes die zurückgehenden staatlichen Programme. Ausnahme sei das Satellitennavigationssystem Galileo, das »ein großer Erfolg« zu werden verspreche. Es müsse aber noch viel mehr investiert werden, so Hertrich: Ein selbständiges europäisches Satellitensystem bezeichnete er als »unverzichtbare Forderung«, um den Bedingungen moderner, »netzwerkorientierter Kriegführung« gerecht zu werden.

Das Rüstungsgeschäft ist es denn auch, das langfristig den größten Gewinnzuwachs bringen soll. Zwar ist der Anteil des Militärbereichs am Gesamtumsatz im vergangenen Jahr mit 29 Prozent leicht gesunken, allerdings nur in Relation zur Gesamtentwicklung. In absoluten Zahlen ausgedrückt ist der Umsatz auch in der militärischen Luftfahrt gestiegen. Und das größere Wachstumspotential sieht die Industrie offenbar in diesem Bereich, eine Steigerung auf 35 Prozent des Gesamtumsatzes wurde für realistisch erklärt. Eine »ehrliche« Aufteilung in Militär- und Zivilbereich müßte allerdings den hohen Militäranteil der Raumfahrt miteinbeziehen auf diese Statistik verzichtet der Verband.

Da die Bundeswehr trotz allgemeiner Sparpolitik ein umfangreiches Beschaffungsprogramm aufrechterhält, ist es nicht verwunderlich, daß BDLI-Chef Hertrich den Umbau der Bundeswehr zur »Armee im Einsatz« für »richtig und unumgänglich« hält. Ein lohnendes Unternehmen ist vor allem die Produktion des Eurofighters. Gemeinsam mit Rüstungsfirmen aus anderen EU-Staaten gilt es hier, rund 18 Milliarden Euro umzusetzen. Ebenfalls ein lukratives Geschäft ist der Bau des Militärtransporters A 400M, von dem die Bundeswehr 60 Stück für neun Milliarden Euro anschaffen will. Mit Hilfe dieses Flugzeuges kann die Bundeswehr ohne Unterstützung durch andere Staaten schweres Militärgerät in kurzer Zeit in sämtliche Erdteile verlegen.

Die Gewinnerwartungen konzentrieren sich darüber hinaus auf die Produktion von Militärhubschraubern. So will alleine die Bundeswehr 150 Transporthubschrauber des Typs NH 90 beschaffen sowie 80 Tiger-Hubschrauber. Diese werden mit modernsten Panzerabwehr-Raketen ausgestattet und sind »besonders für lokalisierte Konflikte geeignet«, wie das Herstellerkonsortium Eurocopter wirbt. Flugzeuge und Hubschrauber hätten außerdem Chancen, sich zu »Exportschlagern« zu entwickeln, hofft Hertrich. Den BDLI empfahl er auch für die Zukunft als »Partner des Verteidigungsministers und der Bundeswehr«.

 

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Ausdruck erstellt am 11.04.2005 um 09:59:07 Uhr

 
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