Nach bekanntem Muster  (Quelle: rbi - aktuell.de)

Deutsche Telekom plant Massenentlassungen in Ungarn, Kroatien und Mazedonien

Von Paul Müller

Richtig zulangen will die Deutsche Telekom in den nächsten Monaten bei ihren mittel- und südeuropäischen Tochterfirmen. Dies verlautete in den vergangenen Tagen aus verschiedenen Berichten. So sollen die Telekommunikationsunternehmen in Ungarn, Kroatien und Mazedonien zusammengefaßt werden. Diese Maßnahme findet Begleitung in einem heftigen Abbau von Arbeitsplätzen und verschärften Leistungsanforderungen für die verbliebenen Mitarbeiter.

Bereist seit 2001 läuft bei der Telekom in Deutschland ein Programm, in dessen Rahmen bis Ende kommenden Jahres rund 40.000 Stellen gestrichen werden sollen. Dieses Mittel wird nun offenbar auch auf die Töchter ausgedehnt. So werden die mehrheitlich im Telekom-Besitz befindlichen Unternehmen Matav (Ungarn), Slovak Telecom (Slowakei), T-Hrvatski Telekom (Kroatien) sowie Maktel (Mazedonien) künftig unter dem Dach T-Com International zusammengefaßt. Gleichzeitig beginnt eine massive Streichorgie.

So werden in Ungarn 3750 Stellen wegfallen. Dies teilte Matav Anfang der Woche mit und übertraf damit noch zuvor vom ungarischen Fernsehen verbreitete Informationen von 2000 gefährdeten Mitarbeitern. Die übrigen Angestellten sollen die Sparmaßnahmen von 19,5 Milliarden Forint ( rund 79 Millionen Euro) durch Mehrarbeit ausgleichen. So soll sich ein Mitarbeiter nicht mehr, wie bislang, um 352 sondern um 500 Anschlüsse kümmern.

In Kroatien, wo die Telekom 51 Prozent, der Staat 49 Prozent des nationalen Telekommunikationsunternehmens hält, ist ebenfalls der Wegfall von einigen Tausend Stellen geplant. Der genaue Umfang ist noch nicht bekannt. In Mazedonien, dessen Maktel offiziell eine Tochter von Matav ist, stehen 730 der insgesamt 3200 Arbeitsplätze auf der Streichliste.

Angeblich will die Telekom die Einsparungen dazu nutzen, um in die Zukunftsfähigkeit ihrer Unternehmen zu investieren. So vergab Matav jüngst einen Großauftrag an die Kapsch CarrierCom, um vor allem in den ländlichen gebieten Ungarns den Aufbau eines Breitbandnetzes für die Internetkommunikation voranzutreiben. Der eigentliche Grund dürfte jedoch das Bedürfnis nach höheren Profiten sein. So hatte Matav im vergangenen Jahr einen geringeren Gewinn erwirtschaftet und erzielte einen Nettoüberschuß von knapp 60 Milliarden Forint.

In den betroffenen Ländern geht derweil die Befürchtung um, die Entlassungen könnten nur den Auftakt zu einer viel umfassenderen Runde neoliberaler Neuordnungen sein. So ist nicht ausgeschlossen, daß die gegenwärtig selbständigen Töchter über kurz oder lang komplett zusammengeschlossen und zentralisiert werden. Nicht verwunderlich, daß sich angesichts dieser Aussichten Proteste äußern. So forderten die kroatischen Gewerkschaften den Staat zum Eingreifen auf, was diesen jedoch bislang nicht in Bewegung brachte. Auch in Ungarn verfügt die Regierung auch nach dem Ende der 1993 begonnenen Privatisierung über die sog. Goldene Aktie, die ihr bei den Entscheidungen bei Matav einerhebliches Mitsprachrecht einräumt. Doch dieses muß sie auch nutzen.

Selbst Vertreter des Kapitals sehen die Entscheidungen der Telekom durchaus kritisch. „Aber das Hauptproblem ist, daß Matav eine Wachstumsstory fehlt“, so Analyst Miklos Bonis von der Inter-Europa Bank gegenüber dem „Handelsblatt“ mit Bezug auf den Gewinnrückgang bei dem Unternehmen. Die Schwierigkeit bestehe also nicht in einer schlechten Marktposition oder faulen Mitarbeitern, sondern der stagnierenden Lage auf dem Telekommunikationsmarkt insgesamt. Doch diese Einsicht würde den Blick auf größere wirtschaftliche und gesellschaftliche Aufgaben lenken, die in den auf rasanten Neoliberalismus orientierten Staaten nicht diskutiert werden. Statt dessen schreiben die örtlichen Telekom-Dependancen fleißig Kündigungen.