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Steigendes Vorstandssalär trotz schlechter Ergebnisse


Managergehalt: Im letzten Jahrzehnt hat sich das Gehaltsgefüge verschoben - Geheimhaltung der Bezüge sorgt für Unmut

 

VDI nachrichten, 10.5.2002
In Deutschland, den USA und auch in der Schweiz wird zurzeit heftig über die Bezüge von Vorständen bei Aktiengesellschaften debattiert: Zu hoch, ungerecht, zu wenig leistungsorientiert.

Personal- und Unternehmensberatungen haben in Studien festgestellt, dass sich seit Mitte der 90er Jahre ein eklatanter Paradigmenwechsel vollzogen hat: Mit der Einführung von Shareholder-Value schossen die Manager-Gehälter in Deutschland exorbitant in die Höhe. Und Abfindungen sorgen für tiefrote Schlagzeilen: An dem so genannten goldenen Handschlag in Höhe von 60 Mio. DM für Klaus Esser bei der Übernahme von Mannesmann durch Vodafone nahm die Republik lebhaft teil. Die Kienbaum Vergütungsberatung in Gummersbach hat errechnet, dass die Bezüge von Vorständen zwischen 1998 und 2000 um satte 90 % angestiegen sind. Heins Evers, Geschäftsführer der Kienbaum Vergütungsberatung: „Man kann schon sagen, dass die Vorstände die großen Gewinner der Globalisierung sind.“ Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) rechnet vor, dass die Einkommensentwicklung der Arbeitnehmer dagegen zwischen 1991 und 2000 um 4 % hinter der Produktivitätsentwicklung zurückgeblieben sei.
Für Unmut sorgen mehrere Faktoren: Zum einen ist es in Deutschland nicht Pflicht, die Bezüge der einzelnen Vorstände auszuweisen, sondern nur den Personalaufwand für den gesamten Vorstand. Das ist in den USA anders - dort wird das individuelle Einkommen offen gelegt. Ob sich das in Zukunft durch den freiwilligen Corporate Governance Kodex, der unter der Federführung von ThyssenKrupp-Aufsichtsratchef Gerhard Cromme entstanden ist, auch in Deutschland etablieren wird, ist eher fraglich. Zum anderen haben sich in Zeiten von vermeintlich leistungsorientierter Bezahlung einige Vorstände - wie beispielsweise von der Deutschen Telekom - trotz Verlusten oder sinkender Gewinne auch im vergangenen Jahr eine satte Erhöhung verschrieben. Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) wird deshalb auf der nächsten Hauptversammlung der Telekom Ende Mai Gegenanträge zur Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat einreichen. „Manager, die unter das Kapitel 'raffgierige Vorstände fallen', können nicht, ohne rot zu werden, den IG-Metallern Raffgier vorwerfen - auch wenn ich die Forderungen der Gewerkschaft für nicht gerechtfertigt halte“, sagte der Vorsitzende der SdK, Klaus Schneider in einem Interview mit den VDI nachrichten. Er kritisiert die hohen Bezüge der Manager. Damit steht er nicht allein: Selbst Hans Olaf Henkel, ehemaliger IBM-Chef, erklärte in einem Interview mit einem Wochenmagazin: „Ich halte einige meiner Ex-Kollegen für total überbezahlt, aber wir sollten trotzdem nicht anfangen, Grenzen für die Bezahlung von Vorständen einzuführen.“ In der Schweiz wurde die Diskussion geführt, ob nicht bei einer Mio. Franken Schluss sein sollte. Die hohe Bezahlung - so die Argumentation der Befürworter üppiger Bezüge - garantiere, dass Deutschland im internationalen Wettbewerb um Spitzenmanager mithalten könne. Schneider warnt davor, das Gehaltsgefüge ins Wanken zu bringen.      C. HANTROP

 

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