Krankenhaus - An den Kliniken soll es kein Defizit geben. Fürs nächste Jahr stehen 4,1 Millionen im Raum

»Nur Darstellung für das existierende Risiko«

REUTLINGEN. Nur noch am Rande gestreift werden die finanziellen Vorgänge der Reutlinger Krankenhäuser im Kreistag. Grund: Die Kliniken werden als GmbH geführt und diese Themen sind damit der Öffentlichkeit weitgehend entzogen. Nicht mehr die Kreisräte, sondern ein Aufsichtsrat beschäftigt sich damit, und ein solches Gremium ist in der Regel nicht sehr auskunftsfreudig.

Immerhin - bei der jüngsten Kreistagssitzung war die Rede von einem befürchteten Defizit der Kliniken im nächsten Jahr in Höhe von 4,1 Millionen Euro. In seiner Haushaltsrede hatte Landrat Dr. Edgar Wais verlangt, dass dieses Defizit »mittelfristig« abgebaut werden müsse. Und dazu würden auch »unpopuläre Maßnahmen« nicht auszuschließen sein.

»Keine Schulden«

Für dieses Jahr hatte der Landrat mehrfach geäußert, werde man »eine rote oder schwarze Null« schreiben, das heißt wohl, kein Defizit. Dass es genau darauf hinausläuft, bestätigt auch der Krankenhausdirektor Oliver Bredel, es werde kein Defizit geben. Dass die Zahl von 4,1 genannt wurde, bestätigt er ebenfalls. Allerdings »sind das keine Schulden«.

Die Zahl sei wegen der anderen Darstellungsform, in der man nun als GmbH die Wirtschaftspläne aufstelle, entstanden. Und damit will er bewusst die Beteiligten dafür sensibilisieren, was alles passieren könnte. Man habe im Aufsichtsrat auch darüber diskutiert und festgehalten, dass es zu keinem Defizit kommen dürfe. Die Zahl lasse sich also als »Darstellung für das Risiko« bezeichnen. »Die Leute sollen ruhig merken, dass es im nächsten Jahr schwierig wird.« Man habe ja auch nicht erklärt, dass der Klinikträger Landkreis dieses projektierte Defizit ausgleichen solle.

Schwierigstes Jahr

Wie Bredel fürchtet, werde 2004 für die Krankenhäuser im ganzen Land das schwierigste Jahr überhaupt - zumindest seit er es erlebe. Es werde keine Veränderungen auf der Erlösseite geben: Dafür aber kämen durch - von außen vorgegebene Bedingungen wie Tarifabschlüsse - Millionen-Kosten auf die Häuser zu. »Die Reutlinger Kliniken müssen durch ein Tal der Tränen« wie alle anderen Häuser auch, so Bredel. Danach allerdings werden sie »gestärkt dastehen«. Denn für diese jetzt kommenden Veränderungen sieht er Reutlingen gut vorbereitet. Man werde danach auch »eine wichtige Rolle« in der sich wandelnden Umgebung spielen, ist er zuversichtlich.

Auch für den - von der Politik geforderten - weiteren Bettenabbau sei man in Reutlingen gut dran: So wollten die Krankenkassen einen Durchschnitt von vier Betten pro 1 000 Patienten erreichen, man habe aber jetzt schon im Landkreis nur noch 2,6 Betten pro 1 000 Patienten. Bredel räumt ein, dass die im kommenden Jahr anstehenden Sparmaßnahmen sich beim Personal und bei den Sachkosten auswirken werden - beim Personal mehr. Allerdings geht er davon aus, das kann »alles nur über die natürliche Fluktuation laufen«. (ara)