26.08.08, 15:48
 
 
Deutschland gilt als Hochlohnland. Doch die Zahl derer, die mit einem immer geringeren Einkommen über die Runden kommen müssen, steigt unaufhörlich.

 

Teilzeitkräfte gehören zu den Verlierern

Innerhalb von zehn Jahren sanken die Realeinkommen der Geringverdiener um fast 14 Prozent, wie aus einer aktuellen Studie der Universität Duisburg hervorgeht. Zu den Geringverdienern zählen alle Beschäftigten, die für einen Bruttostundenlohn von weniger als 9,61 Euro in Westdeutschland und 6,81 Euro im Osten arbeiten. Betroffen ist den Forschern zufolge ein Viertel der Arbeitnehmer hierzulande.

Während die unteren Einkommensschichten bedeutend weniger in der Tasche haben, stieg das Realeinkommen der Besserverdienenden – ab einem Stundenlohn von 21,20 Euro – im Beobachtungszeitraum um 3,5 Prozent. Eine Verteilung von unten nach oben sei zu beobachten, so die Forscher. Die Schere zwischen hohen und niedrigen Einkommen in Deutschland klaffe seit 1995 immer weiter auseinander.

Ausdünnung der Mittelschicht

Konnten 1995 noch gut 63 Prozent der Beschäftigen ein mittleres Einkommen vorweisen, sank ihr Anteil binnen zehn Jahren um elf Prozent. Gleichzeitig stieg die Zahl der Geringverdiener in der gleichen Zeit um zwei auf 6,5 Millionen. „Die Anteil der Beschäftigten im Niedriglohnbereich ist zunächst unbemerkt gewachsen und hat mittlerweile mit 22 Prozent beinahe das Niveau in den USA erreicht“, sagt Bettina Hieming vom Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg zu FOCUS Online. Nach der Wiedervereinigung sei die Zahl der Erwerbslosen gestiegen, und viele Unternehmen hätten die Arbeitgeberverbände verlassen, um zu geringeren Löhnen einstellen zu können. Zudem habe sich durch die Hartz-Reformen der Druck auf Arbeitslose erhöht, schlechter bezahlte Jobs anzunehmen, erklärt Hiemings die Entwicklung.

Zahlreiche Arbeitsmarktexperten befürworten den Ausbau des Niedriglohnsektors, er sei für Geringqualifizierte oft die letzte Möglichkeit, einen Job zu finden. Der Studie zufolge ist schlecht bezahlte Arbeit jedoch nicht länger nur eine Problem der Ungelernten: 67,5 Prozent der Niedriglohnbeschäftigten können eine abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen, nur knapp ein Viertel besitzt keine Qualifikationen.

Vor allem Kleinbetriebe zahlen Niedriglöhne

Beschäftigt werden Geringverdiener der Erhebung zufolge insbesondere in kleinen Firmen. In Kleinstbetrieben mit einem bis vier Mitarbeiter arbeitete beispielsweise 2005 mehr als die Hälfte der Vollzeitbeschäftigten für Niedriglöhne, während dies in Großbetrieben ab 500 Mitarbeitern nur bei rund drei Prozent der Beschäftigten zutraf.

Die Studie wird am Mittwoch durch die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung veröffentlicht.