Immer mehr deutsche Millionäre (FTD 06.12.06)

von Friederike von Tiesenhausen (Berlin)

In keinem anderen großen Industrieland wird die Zahl der Vermögensmillionäre in den kommenden zehn Jahren so stark ansteigen wie in Deutschland. Das prognostiziert eine aktuelle Studie der britischen Bank Barclays und des Londoner Instituts Economist Intelligence Unit (EIU).

Millionäre im Anmarsch
 
 Millionäre im Anmarsch

Danach wird die Zahl der Haushalte mit einem reinen Finanzvermögen von mehr als 1 Mio. $ in Deutschland von derzeit 285.000 bis zum Jahre 2016 auf 1,02 Millionen Haushalte ansteigen. Das bedeutet einen Zuwachs um 257 Prozent, mehr als in jeder anderen führenden Industrienation.

Die Vorhersage schürt die Debatte um wachsende soziale Unterschiede hierzulande. Ein Grund für den prognostizierten rapiden Anstieg an Dollar-Millionären in Deutschland ist die bisher recht ausgeglichene Verteilung von Vermögen. Andere Staaten mit wesentlich weniger Einwohnern wie Italien und Großbritannien haben bereits jetzt mehr Superreiche als Deutschland. Die Studie geht jedoch davon aus, dass sich diese Ausgewogenheit in den kommenden zehn Jahren nicht halten lässt und sich die Vermögensverteilung in Deutschland internationalen Verhältnissen anpassen wird.

Deutsche Wirtschaft ohne Glanz

Allerdings soll wegen des schwachen deutschen Immobilienmarkts der Anteil der Superreichen mit einem Gesamtvermögen - Finanzvermögen plus Immobilien - von mehr als 3 Mio. $ weiterhin sehr gering bleiben. 2016 sollen laut der Studie 2,6 Prozent der deutschen Haushalte über ein Gesamtvermögen von mehr als 3 Mio. $ verfügen. Heute sind es 0,8 Prozent. Im Vergleich der G7-Staaten wäre das zwar ein starker Anstieg, insgesamt bliebe der Anteil der Superreichen aber nur in Kanada niedriger.

Den höchsten Anteil an Superreichen sehen Barclays und EIU im Jahr 2016 in den USA mit 4,5 Prozent aller Haushalte. Das durchschnittliche Gesamtvermögen pro Haushalt soll dort in den nächsten zehn Jahren auf 893.000 $ steigen. In Deutschland soll der rechnerische Durchschnittswert pro Haushalt in zehn Jahren bei 492.000 $ liegen.

Nach Ansicht der Autoren wird auch die deutsche Wirtschaft nicht glänzen. Im internationalen Vergleich der Wirtschaftsstandorte platzieren Barclays und EIU Deutschland für die nächsten Jahre auf den 14. Rang - hinter den USA auf Platz fünf und Großbritannien auf Platz sieben.

Insgesamt geht die Studie davon aus, dass die Industrienationen weiter mehr Reiche hervorbringen als die Schwellenländer China, Russland, Indien und Brasilien. Auch wenn Superreiche wie der indische Stahlmagnat Lakshmi Mittal und russische Oligarchen wie der in London lebende Roman Abramowitsch in Europa für Schlagzeilen sorgen, halten die Autoren der Studie die "Bedeutung von Schwellenländern als Brutstätte für zukünftige Millionäre für übertrieben". Zumindestens in den nächsten zehn Jahren soll der Großteil der neuen Millionäre weiter aus den Industrieländern kommen.

 

Aus der FTD vom 06.12.2006
© 2006 Financial Times Deutschland, © Illustration: FTD/Quelle: Economist Intelligence Unit, Barclays