Kassenbeiträge sinken langsamer als erhofft

Trotz Gesundheitsreform - die Kassenbeiträge sinken im kommenden Jahr wohl langsamer als erhofft. Das schließt mittlerweile auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt nicht mehr aus.

 

"Einige Monate warten"
"Läuft es konjunkturell sehr gut, können wir im Frühherbst das Ziel von 13,6 Prozent im Durchschnitt aller Kassen erreichen, wenn nicht, werden wir einige Monate länger warten müssen", sagte ein Sprecher Schmidts. Ursprünglich sollten die Beiträge mit der von Regierung und Opposition gemeinsam ausgehandelten Gesundheitsreform im Laufe des kommenden Jahres von derzeit 14,3 auf 13,6 Prozent sinken.

Reform verpufft?

Durch höhere Zuzahlungen der Versicherten sollte die Gesundheitsreform die Kassen um bis zu zehn Milliarden Euro entlasten. Rund zwei Milliarden Euro davon sollen die Versicherer zur Schuldentilgung nutzen, den großen Rest zur Beitragssenkung. Das Defizit der Gesetzlichen ist allerdings höher als angenommen: Allein im laufenden Jahr wird mit einem Minus von drei Milliarden Euro gerechnet. "Der Trend dazu verfestigt sich", erklärte AOK-Chef Hans Jürgen Ahrens. Zudem sei auch im kommenden Jahr mit einem Defizit zu rechnen.

Kaum sinkende Beiträge
Verschiedene Kassen hatten bereits angekündigt, sie könnten ihre Sätze wegen der angespannten Finanzlage 2004 kaum zurücknehmen. So wollen etwa die 17 Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) ihre Beiträge im kommenden Jahr voraussichtlich nur um 0,3 bis 0,4 Prozentpunkte ermäßigen. Einige Kassen, die "am Tropf des Verbandes hängen", könnten sich einen solchen Schritt voraussichtlich gar nicht leisten, sagte der Verwaltungsratsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, Fritz Schösser, der "Frankfurter Rundschau". Dazu zählte er die AOK Berlin, Hamburg und Saarland.

Drei Jahre Zeit für Schuldenabbau
Nach der im Herbst verabschieden Gesundheitsreform werden Patienten stärker an den Gesundheitskosten beteiligt. So sollen für Arztbesuche künftig zehn Euro pro Quartal fällig werden. Bei Klinikaufenthalten sollen pro Tag zehn Euro berechnet werden für maximal 28 Tage im Jahr.