EsslingenWasserversorger beenden Leasingverträge

Die großen Wasserversorger im Südwesten wollen ganz aus den missglückten Cross-Border-Leasing-Geschäften mit einem US-Investor aussteigen. Als Folge der Finanzverluste werden die Versorger die Wasserpreise erhöhen.

Die Mitglieder der Landeswasserversorgung stimmten am Mittwoch mit nur wenigen Gegenstimmen für ein vorgezogenes Vertragsende. Nach anfänglicher Weigerung hatte der Investor, eine US-Großbank, überraschend die Auflösung der Verträge vorgeschlagen. Das kostet den Zweckverband voraussichtlich aber ebenso viel wie die ursprünglich geplante Restrukturierung der Verträge: 10,9 Millionen Euro.

"Geschäft als Damoklesschwert"

Dafür befreie der Ausstieg aus den Verträgen die Verbände, Städte und Gemeinden von erheblichen Risiken. "20 Jahre das Geschäft noch als Damoklesschwert über uns hängen zu haben, das will doch keine Sau", sagte der stellvertretende Vorsitzende der Landeswasserversorgung, Esslingens Oberbürgermeister Jürgen Zieger (SPD).

Wasserpreis wird teurer

Den Millionen Kunden im Land beschert das Ganze steigende Wasserkosten, im Gespräch sind 2,34 Cent pro Kubikmeter mehr. Damit würde der Kubikmeter Wasser im Schnitt 40,03 Cent kosten. Die Kunden der Bodenseewasserversorgung können im Schnitt mit einer Preiserhöhung von drei Cent aus dem Cross-Border-Leasing rechnen.

"Finanz-Tsunami" konnte niemand ahnen

Auf die Frage, warum man sich in den Jahren 2001 und 2002 auf das riskante Verleasen von Wasserversorgungsanlagen eingelassen hatte, entgegnete der Vorsitzende beider Verbände, Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU): "Niemand hat sich vorstellen können (...), dass uns wenige Jahre später ein solcher Finanz-Tsunami trifft." Viele Kommunen hätten damit den Wasserpreis für die Verbraucher niedrig halten wollen.

Durch die weltweite Finanzkrise waren die so genannten Cross-Border-Leasing-Verträge mit den Wasserversorgungsanlagen zum Minusgeschäft geworden. Unter Cross-Border-Leasing ist das grenzüberschreitende Verpachten und Rückvermieten von Infrastruktur zu verstehen.

Die Bodenseewasserversorgung verpachtete 2002 ein Wasserwerk und 1.700 Kilometer Leitungsnetz an einen US-Investor, bei der Landeswasserversorgung waren es ein Jahr zuvor drei Wasserwerke und 735 Kilometer Wasserleitungen.