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Hamburger Abendblatt am 5. August 2006

Fast jedes vierte Kind in Hamburg ist arm

http://www.abendblatt.de/daten/2006/08/05/594520.html

Armut: 51 985 Kinder leben von Sozialgeld. Deutlicher Anstieg der Zahlen: 23 Prozent der 225 724 unter 15-Jährigen sind betroffen - im Juli 2005 waren es noch 46 753.

Von Miriam Opresnik

 

Die Zahl der armen Kinder in Hamburg ist weiter angestiegen: Im Juni haben 51 985 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren Sozialgeld nach SGB II (Hartz IV) erhalten und gelten damit laut einer Definition des Paritätischen Wohlfahrts-verbandes als arm. Das sind 23 Prozent der 225 724 unter 15-Jährigen in der Hansestadt. Im Juli 2005 lag die Zahl der Sozialgeld-Bezieher unter 15 Jahren noch bei 46 753, im Oktober bei 49 190. Das hat eine Anfrage des Abendblatts bei team.arbeit.hamburg ergeben - einer Arbeitsgemeinschaft der Hansestadt Hamburg und der Agentur für Arbeit - die für die Umsetzung der Hartz-IV-Reformen in Hamburg zuständig ist.

"Diese Entwicklung ist erschreckend", sagt Richard Wahser, Vorsitzender des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Hamburg. Der Verband hatte im vergangenen Jahr eine bundesweite Kinderarmutsrangliste veröffentlicht, bei der Hamburg auf dem sechsten Platz lag - noch vor Brandenburg und Thüringen. Bereits damals befand sich Hamburg mit einer Quote von 20,4 Prozent jugendlicher Sozialgeldbezieher weit über dem Bundesdurchschnitt von 13,4 Prozent. Und seitdem ist die Zahl weiter angestiegen. Inzwischen lebt fast jedes vierte Kind in Hamburg auf Sozialhilfe-Niveau.

"Es ist das eingetreten, was wir befürchtet haben: Die Zahl der Kinder und Jugendlichen auf Sozialhilfe-Niveau hat sich im Zuge der Hartz-IV-Reform fast verdoppelt", so Uwe Hinrichs, Geschäftsführer vom Kinderschutzbund Ham-burg. Angesichts der jüngsten Entwicklung fordert die GAL-Bürgerschaftsfraktion erneut einen Armutsbericht. "Wir können nicht länger an den Symptomen herumdoktern, ohne die Ursachen zu kennen", so Martina Gregersen, sozialpolitische Sprecherin. Sie hat zwei Anträge auf Wiedereinführung eines Armutsberichtes gestellt, beide wurden abgelehnt.

Die Sozialbehörde weist die Kritik zurück. Die Armutsberichte seien wegen mangelnder Aktualität und fehlender Hand-lungsansätze unwirksam geworden. Sie werden künftig durch sogenannte Lebenslagen-Berichte ersetzt. Darin sollen unterschiedliche Lebenslagen von hilfebedürftigen Menschen beschrieben und analysiert werden. "Es gibt nicht die eine Problemkonstellation, aus der wir Menschen heraus helfen müssen", so Sozialsenatorin Birgit Schnieber - Jastram (CDU). "Aber es gibt Gruppen, die sich in einer ähnlichen Lage befinden und für die wir spezifische Lösungen anbieten wollen." Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hatte bereits zugesagt, sozial schwache Stadtteile stärker fördern zu wollen. "Kinder sind unsere Zukunft und dürfen nicht durch das Rost fallen", so Egbert von Frankenberg, Vorsitzender der CDU-Sozialaus-schüsse.

Die SPD-Sozialexpertin Petra Brinkmann kündigte an, das Thema im nächsten Sozialausschuss zu besprechen. "Armut gilt als einer der größten Risikofaktoren für Kindervernachlässigung und muss bekämpft werden." Das fordert auch der Kinder-schutzbund. "Wir müssen den Kreislauf der Armut durchbrechen", so Hinrichs. Sonst würden aus armen Kindern arme Erwachsene.

erschienen am 5. August 2006

 

209 Euro monatlich pro Kind

http://www.abendblatt.de/daten/2006/08/05/594524.html

Kindern in sogenannten Bedarfsgemeinschaften, deren Eltern Hartz IV erhalten (345 Euro), steht monatlich ein Sozialgeld in Höhe von 209 Euro zu - unabhängig davon, ob die Kinder fünf oder 15 Jahre alt sind. Damit sollen alle Aufwendungen abgedeckt werden - angefangen vom Schulranzen bis hin zu den neuen Turnschuhen.

Darüber hinaus werden nur noch in wenigen, gesetzlich festgelegten Fällen zusätzliche Leistungen bewilligt. Wie zum Beispiel für die Erstausstattungen von Wohnungen einschließlich Haushaltsgeräten, Erstausstattungen für Bekleidung einschließlich bei Schwangerschaft und Geburt sowie mehrtägige Klassenfahrten. Früher standen Sozialhilfeempfängern darüber hinaus noch weitere Leistungen zu. Im Zuge der Hartz-IV-Reform ist das jedoch eingestellt worden.

nik

erschienen am 5. August 2006