DIHK fordert 500 Stunden unbezahlte Arbeit

Mit seiner Forderung Feiertage zu streichen, hat Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) eine Grundsatzdiskussion um die Arbeitszeit ausgelöst. DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun forderte nun, die Arbeitnehmer sollten in den nächsten fünf Jahren 500 Stunden unbezahlte Arbeit leisten, um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. "Ein bisschen weniger Freizeit ist doch in der Regel besser als weniger Geld", sagte Braun in der Tageszeitung "Die Welt".

Braun: Keine starre 40-Stunden-Woche
Eine starre 40-Stunden-Woche sei nicht erforderlich, meinte Braun. Er denke an einen Korridor, der phasenweise höhere Wochenstundenzahlen ermögliche. Nur mehr Arbeit bei gleichem Gehalt bringe über mehr Wettbewerbsfähigkeit zusätzliche Jobs. Die Erfolge einer solchen Strategie zeigten sich in vielen betrieblichen Bündnissen für Arbeit.

Braun: Feiertage sollen bleiben
Den Vorschlag von Wirtschaftsminister Clement, Feiertage zu streichen, lehnte er dagegen ab, da die Menschen damit Traditionen und Werte verbänden. Wichtiger als die Zahl von Feiertagen sei die Jahresarbeitszeit, die in Deutschland sehr niedrig sei. "Wer also viele Feiertage möchte, muss an anderen Tagen des Jahres mehr arbeiten", forderte Braun.

Clement erneuert Forderung
Trotz massiver Kritik, auch aus den eigenen Reihen, erneuerte Clement seine Forderung am Mittwochabend in der ARD. Die Deutschen lebten auf höchstem Niveau, sagte er in den Tagesthemen. Eine Verringerung der Feiertage würde dagegen die Arbeitskosten senken. Deutschland nehme bei Urlaub, Arbeitszeit und Feiertagen weltweit eine Spitzenstellung ein. "Wir müssen uns fragen, ob wir so weiter machen oder die Kräfte ein bisschen konzentrieren", sagte Clement. Er wolle damit einen Denkanstoß geben.

Kritik auch aus eigenen Reihen
Kritik an Clements Vorschlag kam nicht nur von Kirchen, Gewerkschaften und Ökonomen. Auch Clements Chef selbst, Bundeskanzler Gerhard Schröder, war von der Idee offenbar nicht sehr begeistert. "Der Bundeskanzler hat das, glaube ich, recht zurückhaltend aufgenommen", sagte Clement am Freitag in Berlin. Massive Kritik kam auch von Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU). "Obwohl es bei uns mehr Feiertage gibt, haben wir in Bayern eine höhere Produktivität in der Wirtschaft. Die Feiertage gehören zum bayrischen Lebensgefühl", sagte er.

Zustimmung bei Arbeitgebern
Zustimmung fand Clements Vorschlag dagegen bei BDI-Präsident Michael Rogowski. Auch er forderte längere Arbeitszeiten, um die Konjunktur anzukurbeln. "Eine Nation wird nicht reicher, indem alle immer weniger arbeiten, wie es die IG Metall im Osten herbeistreiken will", sagte Rogowski der "Bild"-Zeitung. Ebenso forderte Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt flexiblere Arbeitszeiten.

Feiertage sind Ländersache
Die Frage der gesetzlichen Feiertage ist laut Grundgesetz Ländersache. Bundeseinheitlich sind durch entsprechende Landesgesetze neun Feiertage geschützt: Der Neujahrstag, Karfreitag, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, 1. Mai, Tag der Deutschen Einheit sowie der erste und der zweite Weihnachtsfeiertag.

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