Das Modell USA (t-online 2.12.02)


Armes Land Amerika: Arbeiten bis zum Umfallen

Manchmal, wenn er am Abend spät nach Hause kommt, weiß
Dennis Moreman nicht mehr, wo ihm der Kopf steht: Drei
verschiedene Jobs hat der 48-jährige Mann angenommen, um
sich und seine Familie über Wasser halten zu können. Dennoch
reicht das Geld hinten und vorne nicht. Sein Haus in Arlington
bei Washington ist noch nicht abbezahlt, die Kinder besuchen
ein College und seine Frau ist aufgrund einer Rückenoperation
nur noch eingeschränkt arbeitsfähig. 

Drei Jobs und keine Freizeit 
Dennis Moreman arbeitet tagsüber als Buchalter in einer Versicherungsfirma. Nach
Dienstschluss verdingt er sich als Wachmann für ein Nobel-Kleidungsgeschäft. Am
Wochenende arbeitet er als Kassierer an einer Tankstelle. "Es ist schon sehr hart",
stöhnt der zweifache Vater. "Aber anders kommen wir finanziell nicht mehr über die
Runden." 

Leben an der Armutsgrenze 
Die Ersparnisse sind, wie bei vielen anderen amerikanischen Familien, durch den
Börsencrash dahingeschmolzen. Die Gebühren für das College der Kinder sind stark
angestiegen. Die Kosten für die Krankenversicherung sind mittlerweile unerträglich
hoch. 

Kosten übersteigen das Existenzminimum 
Dabei sind die Moremans in den US längst keine Ausnahme. Mehr und mehr
Mittelstandsfamilien halten den finanziellen Druck nicht mehr aus. Väter nehmen zwei
oder drei Jobs an. Die Ehefrau geht ebenfalls arbeiten. Die Ausgaben werden auf ein
absolutes Minimum zurückgeschraubt. Die Menschen sehen sich auf der einen Seite
steigender Arbeitslosigkeit und sinkenden Löhnen gegenüberstehen. Auf der anderen
Seite müssen sie steigende Krankenversicherungskosten und steigenden Gebühren
für die Hochschulen der Kindern ertragen. Hinzu kommt noch der dramatische Zerfall
ihrer Ersparnisse und ihrer Altersvorsorge. 

Armes Land Amerika: Arbeiten bis zum Umfallen

Der 11. September (???) fordert zunehmend mehr auch seine existentiellen Opfer. Seit zwei
Jahren dauert die Wirtschaftskrise nunmehr an. Das mittlere Haushaltseinkommen in
den USA liegt bei 42.200 US Dollar. Jeder siebte Amerikaner kann sich keine
Krankenversicherung mehr leisten. 


Gesamte Ersparnisse verloren 
Noch mehr Sorgen bereiten den Politikern die Rentner. Viele
haben in den 90er Jahren auf Aktien und Fonds gebaut, um so
ihre Altersversorgung zu sichern. Doch die Börsenkrise in den
Spät-90ern verbrannte 7,7 Billionen Dollar Erspartes. Darunter
auch die privaten Ruhestandsgelder Amerikas. (siehe Riesterrente!)

Renter gehen aus Armut wieder in Arbeit 
So geht es auch Martha Parry (65), aus dem Bundestaat New
York: Die staatliche Rente reicht nicht und die private
Rentenvorsorge wurde durch den Börsencrash vernichtet. Jetzt
geht die 65jährige wieder arbeiten. 

Aus der Traum von Costa Rica 
Auch Frank Alexander (71) ist von der Altersarmut betroffen: "Verdammt, eigentlich
wollte ich meine letzten Jahre in Costa Rica genießen", flucht der Arbeiter. "Doch ich
habe kein Geld. Solange ich arbeite, kann ich wenigstens die Kosten für meine
Medikamente bezahlen und die Steuern für mein Häuschen."