Auf dieser Seite finden Sie folgende Texte zum Thema Privatisierung:

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website der ATTAC-AG  Privatisierung  
   
   
EU lässt Wasserversorgung in Hand der Kommunen 2013-06-22
Die EU-Konzessionsrichtline und die Privatisierung der Wasserversorgung 2013-01-24
Griechenland startet Ausverkauf 2011-05-23
Kanada soll privatisiert werden  (franz. u. engl.) 2012-02-21
Deutsche Bahn will Arriva übernehmen 2010-04-21
Geheimpapier mit Horrorkatalog zur Privatisierung der Unikliniken 2010-04-20
Public Private Partnership: Die Plünderung des Staates,  Werner Rügemer 2010-02-03
Britische Gewerkschaft RMT wirbt um Mitarbeit in europaweitem Bündnis gegen Bahnprivatisierung 2009-05-22

Cross-Border-Leasing      deutsche Kommunen für dumm verkauft

2009-03-12
Neues zum CBL   Wasserwerk als Sicherheit fuer Spekulanten 2009-01-03
PPP Privat statt Staat 2008-07-16
Rebellische Bürgermeister kündigen Verträge mit Energiekonzernen 2008-06-24
Kalte Enteignung - Privatisierung der Bahn 2007-03-16
Ausverkauf der Bahn - scheibchenweise  JW 2007-02-15
Wärme und Strom für viele bald unbezahlbar 2006-12-09
EU-Richtlinie als trojanisches Pferd 2006-06-08
Fortgesetzte Enteignung 2006-06-12
http://www.bahn-fuer-alle.de/?id=bahn.texte   Textsammlung zur Privatisierung und Brsengang der Ba hn  
   
Baukonzern Hochtief übernimmt ein deutsches Unternehmen hoheitliche Aufgaben in Großbritannien. 2006-03-21
Jeder 3. Arzt muss gehen 2005-05-06
Gesundheit als Ware 2005-02-24
Verwaltungsgerichtsurteil gegen Geheimniskrämerei privatisierter Kommunalbetriebe 2005.02-07
Kriege um Wasser 2005-02-05
Privatisierung des Kaufbeurer Klinikums 2005-01-24
Weltkarte der wirtschaftlichen Freiheit  
Uruguay stimmt gegen Privatisierung 2004-12-31
ROAD MAP FOR PRIVATISATION  (Englisch) 2004-06-15
StGB § 263 Betrug  
Privatisierungspläne von Sachsen-Anhalts Umweltministerin 2004-03-18
Reutlingen: Auch die Grünen sind bereit Vermögen zu veräußern, um die laufenden Ausgaben abzudecken 2004-01-09
Die Stadt Reutlingen und ihre Unternehmen  2004-01-05
Tarifreform öffentlicher Dienst: Unbemerkte Entsolidarisierung?  
Kreiskrankenhaus Reutlingen 2003-12-27
In Uruguay verhindert ein Volksentscheid die Privatisierung des Öls 2003-12-09
DIE MERKWüRDIGE PRIVATISIERUNG DER ENERGIE BADEN-WüRTTEMBERG AG 2003-10-31
Stromausfall in den USA  - 50 Millionen Menschen ohne Strom.  2003-08-15
Wirtschaftskriminalität richtet Milliardenschäden an  
Bremen: ATTAC und ver.di starten Volksbegehren gegen Krankenhausprivatisierung 2003-06-14
Wasser  Privatisierung  (Die Zeit) 2003-03-07
http://www.privatisierungswahn.de/  
Privatisierung der Sparkassen 2003-01-21
Privatisierung und Direkte Demokratie 2002-12-27
Privatisierung der Wasserwirtschaft in Deutschland - Handlungsspielräume     für Kommunen 2002-11-06
Zeitschrift  Debatte: Privatisierungen 2002-10-24
Bildzeitung zu Cross Leasing Verträgen 2002-10-11
Privatisierung lohnt sich!! Ein Beispiel aus England 2002-10-01
Egauwasserwerk  US-Cross-Border-Lease-Transaktion 2002-09-24
Privatisierung des Wassers  von Franck Poupeau  2002-05-17

Neue Privatisierungliste des Landes Baden-Württemberg

 
Privatisierung von Landesbeteiligungen Quelle: Wirtschaftsministerium, 25.01.2002 2002-01-25
  Private in den Startlöchern    Quelle: Wirtschaftsministerium, 26.11.2001  
ÖKO TEST zur Privatisierung der Wasserversorgung  
Brief des Staatsministeriums an eine besorgte Bürgerin  
Leitbild Zukunftsfähige Trinkwasserversorgung (Land Baden-Württemberg
   Meldung vom 01.03.2001
2001-03-01
Sonderfinanzierung durch eine US-Cross-Border-Lease-Transaktion Zweckverband Landeswasserversorgung - 43. Verbandsversammlung Stuttgart 18. Juli 2001 2001-07-18
Artikel aus der Stuttgarter Zeitung zu Plänen Stuttgarter städtische Betriebe zu privatisieren. 08.06.2002
Presseerklärung der Stadt Stuttgart vom 22.1.2002 2002-01-22
   
"Hunderte Stadtwerke stehen zum Verkauf"   FAZ 8.3.02  
Deregulation der Elektrizität in den USA (auf Englisch) 2002-05-28

 

 



Die deutschsprachige Ausgabe der französischen
Monatszeitung für internationale Politik
Ausgabe
vom
17.5.2002

VIVENDI - ANALYSE EINES GLOBAL PLAYERS

Die Privatisierung des Wassers

Von FRANCK POUPEAU *

* Soziologe

WÄHREND die "neoliberale Globalisierung" zunehmend ins Schussfeld der Kritik gerät, entdecken die multinationalen Konzerne Grundbedarfsgüter wie etwa Wasser als viel versprechende Profitquelle. Die beiden französischen Multis Vivendi-Générale des Eaux und Suez-Lyonnaise des Eaux kontrollieren inzwischen 40 Prozent des Weltwassermarkts und zählen jeweils über 110 Millionen Menschen in 100 (Vivendi) bzw. 130 (Suez-Lyonnaise) Ländern zu ihren Kunden. Möglich wurde diese Entwicklung durch den Abbau der Handelshemmnisse, den die Unternehmen in Kooperation mit internationalen Institutionen und nationalen Regierungen schon seit einigen Jahren vorantreiben. Knapp 85 Prozent der Wasserversorgung in den Großstädten der Welt liegen in den Händen öffentlicher oder staatseigener Betriebe - ein gefundenes Fressen für die Globalisierer.

So haben die beiden französischen Wasser-Multis in den vergangenen 15 Jahren in vielen Ländern äußerst lukrative Privatisierungsverträge abgeschlossen. Angesichts der Erfolge der Suez-Lyonnaise in China, Malaysia, Italien, Thailand, Tschechien, Australien, der Slowakei und den Vereinigten Staaten darf man nicht übersehen, dass auch die ehemalige Compagnie Générale des Eaux (nunmehr Vivendi) keineswegs untätig geblieben ist. In einigen Fällen agierten die beiden Giganten auch als Partner, wie etwa in Buenos Aires 1993. Im Laufe der vergangenen zehn Jahre eröffnete Vivendi Niederlassungen in Deutschland (Leipzig, Berlin), Tschechien (Pilsen), Korea (Daesan-Komplex), Kasachstan (Almati), auf den Philippinen (Manila), aber auch - mit den Tochterfirmen "Air and Water Technologies" und "US Filter" - in den USA(.1)

Die Wasser-Multis mussten allerdings auch Rückschläge einstecken. In einigen südamerikanischen Ländern blieb ihnen keine andere Wahl, als sich zurückzuziehen und bei den zuständigen internationalen Instanzen auf Entschädigung zu klagen. In der argentinischen Provinz Tucumán weigerte sich die Bevölkerung 1997, die Rechnungen zu bezahlen, nachdem sich die Wasserqualität verschlechtert und die Preise verdoppelt hatten.

In Tucumán hatte die Compagnie Générale des Eaux 1993 die Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung übernommen und die Tarife sogleich um durchschnittlich 104 Prozent erhöht. Die Betroffenen reagierten mit zivilem Ungehorsam: "Der Protest begann in den Dörfern im Innern der Provinz, in der Region der Zuckerrohrplantagen, wo die Bevölkerung bereits eine lange Kampferfahrung besitzt. Sieben kleine Dörfer machten den Anfang. Sie bildeten ein Koordinationskomitee und gründeten den Verbraucherschutzverein Tucumán."(2)

Als im Leitungswasser Keime entdeckt wurden, nahm sich die Provinzregierung der Sache an und verklagte das Unternehmen. Die Générale des Eaux drohte angesichts des Zahlungsboykotts damit, den Hahn zuzudrehen. Als die Drohung nicht wirkte, versuchte sie neue Bedingungen auszuhandeln. Schließlich zog sich das Unternehmen zurück und weigerte sich, seine vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen. Überdies verklagte es die Verbraucher beim "Internationalen Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten" (ICSID), einer Unterorganisation der Weltbank - die jedoch entschied zugunsten der Provinz. Inzwischen hat Tucumán eine neue Provinzregierung, sodass die Verbraucher mit ihrem Zahlungsboykott auf institutionellen Beistand jedenfalls nicht mehr rechnen können.

Die Privatisierung der Wasserversorgung wird meist wegen der ökologischen Folgewirkungen kritisiert, die den Anschluss der lokalen Wirtschaft an einen "einheitlichen Markt" mit sich bringt. Denn der bedeutet nicht nur eine zunehmende Außenorientierung der Produktion, sondern auch eine intensivierte Ausbeutung der natürlichen Ressourcen. Maud Barlow hat aufgezeigt, dass viele "Länder die Gemeindesteuern und Umweltauflagen zurückschrauben, um wettbewerbsfähig zu bleiben. [] Aufgrund des sinkenden Steueraufkommens fehlt Geld für die Abwasserbeseitigung und den Gewässerschutz. Gleichzeitig wird es für die Regierungen immer schwieriger, drohende Verschmutzungen durch präventive Umweltauflagen zu steuern."(3)

Es darf allerdings nicht verschwiegen werden, dass die Regierungen der betroffenen Länder aktiv an der Deregulierung der Wasserwirtschaft mitwirken und die internationalen Abkommen im Rahmen von Weltbank, Welthandelsorganisation und Weltwasserrat mittragen. So brachte der WTO-Gipfel in Katar im November 2001 die Privatisierung ein weiteres Stück voran. In der Abschlusserklärung sprachen sich die Konferenzteilnehmer dafür aus, "die tarifären und nichttarifären Handelshemmnisse im Bereich der Umweltgüter und -dienstleistungen abzubauen oder gegebenenfalls zu beseitigen" (Artikel 31, Absatz 3). Jeder Versuch, der profitorientierten Ausfuhr von Wasser Einhalt zu gebieten, wäre damit rechtswidrig. Artikel 32 empfiehlt sogar, nichttarifäre staatliche Handelsbarrieren wie etwa Umweltschutzgesetze ganz zu untersagen.

Im Gegensatz zu den ökologischen Konsequenzen haben die sozialen Auswirkungen dieser Politik bislang wenig Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Dabei liegt auf der Hand, dass die im Zuge der Privatisierung steigenden Wasserpreise den ärmeren Bevölkerungsschichten den Zugang zu sauberem Trinkwasser immer mehr erschweren.

Als lehrreiches Beispiel kann die Privatisierung der Wasserversorgung in der bolivianischen Hauptstadt La Paz dienen. In Alto Lima, dem ältesten und ärmsten Viertel von La Paz, quoll im Februar 2002 infolge schwerer Regenfälle schlammiges Schmutzwasser aus den Abwasserkanälen. Auf den ungepflasterten, mit Schlaglöchern übersäten Straßen häuft sich regelmäßig der Abfall, seit die Müllabfuhr ebenso wie die nächtliche Straßenbeleuchtung privatisiert worden ist. Nur eine Nichtregierungsorganisation kümmert sich noch ums Allernötigste. Auf dem Wochenmarkt drängen sich die Verkäufer unter blauen Planen, mit denen sie die Lebensmittel- und Kleidungsstände mehr schlecht als recht gegen das Unwetter schützen.

Antonio lebt seit seiner Kindheit in Alto Lima. Das dicht bewohnte Viertel liegt auf 4 000 Meter Höhe, die Reichen wohnen weiter unten, 3 200 Meter hoch. Alto Lima blickt aufs Stadtzentrum, doch der Weg hinunter dauert über eine Stunde. Auch deshalb geht Antonio selten in die Stadt: Es ist zu weit, auch zu teuer. Antonio ist ratlos. Seit das französische Konsortium Aguas del Illimani (Lyonnaise des Eaux) die Wasserversorgung verwaltet, hat sich der Preis versechsfacht, von 2 auf 12 Bolivianos. Die meisten Einwohner von Alto Lima gehen seither in öffentliche Bäder, weil sie sich die Dusche zu Hause nicht mehr leisten können. In den städtischen Einrichtungen gilt noch der alte Preis.

Vor der Privatisierung waren in den nördlichen Stadtbezirken 18 Techniker damit beschäftigt, allmonatlich knapp 80 000 Wasserzähler abzulesen. Nach der Privatisierung wurde die Hälfte von ihnen aus Kostengründen entlassen, der Rest mit Wartungsarbeiten betraut. Seither werden die Zähler nur noch selten abgelesen. Und auf den Wasserrechnungen steht immer derselbe Betrag, egal wie viel der jeweilige Haushalt verbraucht hat. Als sich das Konsortium um die Konzession bewarb, stellte es besseren Service und den Ausbau des Leitungsnetzes in Aussicht. Die Realität sieht freilich anders aus: Immer häufiger ist die Wasserversorgung wegen unzureichender Wartung unterbrochen und es dauert immer länger, bis der Schaden behoben ist. Manchmal bleibt keine andere Möglichkeit, als die alten Brunnen wieder in Betrieb zu nehmen.

Während sich die Führungskräfte des Wasserkonsortiums eine Gehaltserhöhung von 12 000 auf 65 000 Bolivianos genehmigten, muss sich ein Arbeiter mit durchschnittlich 1 800 Bolivianos zufrieden geben. Für die Einrichtung eines Wasseranschlusses werden seit der Privatisierung 1 100 Bolivianos fällig (rund 150 Euro), zuvor konnte man die Kosten von 730 Bolivianos (knapp 100 Euro) in fünf Jahresraten abstottern. Ein ehemaliger Arbeiter von Aguas del Illimani meint: "Wasser ist in El Alto heute ein Luxus." Den kann auch er sich seit seiner Entlassung nicht mehr leisten.

 

Der französische Chef des Wasserversorgers, Arnaud Bazaire, erklärt dazu: "Wir wollten zeigen, dass sich die Lyonnaise des Eaux auch schwieriger Stadtteile annehmen kann." Das Ergebnis ist nicht gerade überzeugend. Ein Wartungsarbeiter: "Sie haben von Neuinstallationen geredet, aber dann haben sie nur die Rohre weiß angestrichen." Überdies findet man in der Kanalisation immer häufiger tote Tiere. In anderen Ländern sind private Wasserversorgungsunternehmen bereits verurteilt worden, weil sie die hygienischen Mindeststandards nicht eingehalten haben. Aguas del Illimani wurde bislang nur dafür verurteilt, dass er mehrere Wochen lang die Versorgung kommunaler Institutionen unterbrochen hatte, darunter auch sämtlicher Schulen der Stadt. Der zweite und dritte Bezirk von Alto Lima ist seit mehreren Monaten ohne Wasser. Arnaud Bazaire erklärte dazu im Dezember 2000, die Menschen von Alto seien die "übelsten Kunden" und "die schlechtesten Verbraucher der Welt"(.5)

 Wascht gefälligst eure Autos!

DER Wasserexperte bei der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB), Denis Cravel, stimmt in das Klagelied ein: "Die Bevölkerung hat schlechte Angewohnheiten." Sie glaube, "der Service müsste kostenlos sein". Wasser sei aber nicht nur ein "soziales", sondern auch ein "Wirtschaftsgut". Nach Ansicht von Alvaro Larrea Alarcon, Ingenieur beim bolivianischen Regionalentwicklungsfonds, könnte die Wasserkonzession durchaus rentabel sein, wenn die Bevölkerung nur mehr verbrauchen würde. "Es ist von allergrößter Wichtigkeit, den Leuten zu vermitteln, dass sie sich daran gewöhnen müssen, ihre Wasserrechnung zu bezahlen. Viele Menschen wachsen hier ohne Wasseranschluss auf. Sie gehen zum Waschen in öffentliche Einrichtungen oder an den Fluss. Sie sind es gewohnt, zu Hause kein Wasser zu haben. Das ist eine Frage der kulturellen Gewohnheiten. Man muss den Leuten beibringen, einmal am Tag zu baden, ihre Pflanzen zu gießen, ihr Auto zu waschen." Der Ingenieur scheint keine Ahnung davon zu haben, dass die Bevölkerung der Altiplano-Hochebene fast nur öffentliche Verkehrsmittel benutzt und dass das Andenbecken zunehmend austrocknet.

Warum nehmen die Menschen in diesen Stadtteilen eine so skrupellose Geschäftspolitik mit einer Geduld hin, die schon an Gleichmut grenzt? Weil eben subproletarische Existenzen nicht in der Lage sind, Projekte zu entwerfen, die über die Gegenwart hinausweisen, also auch nicht die Basis für eine kollektive Organisation zustande bringen.(6) Hinzu kommt, dass sich von offizieller Seite kein Ansprechpartner anbietet. Dies wiederum liegt nicht nur am Abbau des öffentlichen Sektors, sondern auch an dem tiefer werdenden Graben zwischen politischer Elite und breiter Bevölkerung.

Nur in der bolivianischen Stadt Cochabamba haben die Einwohner mit Unterstützung der im Umland lebenden Bauern Mittel und Wege zur Selbstorganisation gefunden und die Privatisierung der Wasserversorgung rückgängig gemacht(.7) Das zur US-amerikanischen Bechtel-Gruppe gehörende Unternehmen Aguas del Tunari, das die Konzession erworben hatte, war in puncto Öffentlichkeitsarbeit allerdings auch nicht so aktiv geworden wie die beiden französischen Wasser-Multis. Und dabei ist deren ökologisches und soziales Sündenregister um einiges länger.

dt. Bodo Schulze

Fußnoten:
(1) Dazu Roger Cans, "La ruée vers l'eau", Paris (Folio) 2001, Kapitel 3, sowie Point de vue du Sud - Centre Tricontinental, "L'eau patrimoine commun de l'humanité", Paris (L'Harmattan) 2002.
(2) Norma Giarracca, "Protestation de la société à Tucumán", Defendons le bien collectif mondial, Februar 2002.
(3) Maud Barlow, "Blue Gold. The Global Water Crisis and the Commodification of the World's Water Supply", International Forum on Globalization, San Francisco 1999.
(4) Roger Cans, siehe Fn. 1.
(5) El Diario, La Paz, 11. Dezember 2000; Presencia, La Paz, 4. Juni 1998.
(6) Dazu Pierre Bourdieu, "Les sous-prolétaires algériens", Interventions 1962-2001, Marseille (Agone) 2002.
(7) Dazu Franck Poupeau, "La guerre de l'eau", Agone, Nr. 26/27, 2002. Die Bevölkerung legte die Stadt lahm und zwang die Regierung, den Konzessionsvertrag im Dezember 2001 zu kündigen. Seither verlangt das Konsortium von Bolivien Entschädigungsleistungen in Höhe von 25 Millionen Dollar.

 

Neue Privatisierungliste

 

Vier Milliarden Euro Erlöse möglich - Döring eröffnet Debatte

 

Von unserer (GEA)Stuttgarter Redaktion   

         S t u t t g a r t. (bw) Wirtschaftsminister Walter Döring (FDP) hat im Alleingang ein Gutachten zu den Privatisierungsmöglichkeiten des Landes in Auftrag gegeben. Erst nachdem die Ergebnisse am Donnerstag der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, wollte er diese auch dem Koalitionspartner CDU übergeben. Sein Vorgehen sieht er von der Koalitionsvereinbarung gedeckt, in der festgeschrieben ist, dass Mitte 2002 über weitere Veräußerungen von Landes-beteiligungen nachgedacht wird.            

Mehr als 60 Seiten ist das Papier stark, das die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst&Young in nur vier Wochen erstellt hat. Die Landesbeteiligungen - von Toto/Lotto bis zu den Unikliniken, vom Flughafen Stuttgart bis zum Blühenden Barock in Ludwigsburg werden in drei Kategorien eingeteilt: sofort veräußerbar, bedingt veräußerbar und vermutlich nicht veräußerbar. Erlösen lasse sich laut Gutachter durch Verkäufe der Beteiligungen knapp vier Milliarden Euro.

 Auf der Liste sofort veräußerbarer Beteiligungen stehen Rothaus‑Brauerei, Fernwärmegesellschaft, BW‑Bank, Südwestdeutsche Salzwerke, Reederei Schwaben, Gasversorgung GVS, Schwäbische Hüttenwerke, ekz bibliotheksservice (Reutlingen) Hohenzollerische Landesbahn, Staatsanzeiger oder Akademie für Lehrerfortbildung.

 

 

. Als bedingt veraeußerbar werden unter anderem die von Döring für einen Verkauf favorisierten  Universitätskliniken. die Stuttgarter Messe- und Kongreßgesellschaf t und die Beteiligung an der Klassenlotterie einge­schätzt. Wenig Verkaufschancen räumen die Gutachter hingegen den Beteiligungen an den Flughäfen in Stuttgart. Mann­heim und Friedrichshafen sowie an verschiedenen Museen und Instituten ein.

            »Wir verstehen das Gutachten als Vorlage für eine vernünftige Diskussion«. erklärte Döring, der zum jetzigen Zeitpunkt » bewusst keine Zahlen nennen will Bis zur Sommerpause solle die Koalition ihr weiteres Vorgehen festlegen.

            In diesem Zusammenhang forderte er die CDU auf, »unvoreingenommen“ vorzugehen. Er wisse, dass die Gutachter auch Beteiligungen als veräußerbar genannt hätten, die strittig oder in der poli­tischen Debatte bereits abgelehnt seien. »Aber ich erwarte dennoch. dass wir uns mit allem befassen“ sagte Döring weiter und nannte erneut konkret das Thema Unikliniken. Er koenne allen, die gegen eine Privatisierung seien, einen Blick  nach Leipzig empfehlen. Dort seien sowohl die Belange der Mitarbeiter als auch die Bereiche Forschung und Lehre zufriedenstellend geregelt worden.  

 

 

 

Privatisierung von Landesbeteiligungen

 

 

Der stellvertretende Ministerpräsident und Wirtschaftsminister des Landes Baden-Württemberg, Walter Döring, reagierte zufrieden auf die Nachricht aus dem Finanzministerium, dass dort gründlich an der Frage der Privatisierung von Landesbeteiligungen gearbeitet werde.

Döring: "Das Gutachten von Ernst & Young kann im Finanzministerium mit Sicherheit gut gebraucht werden, da es aus neutraler Sicht sämtliche Landesbeteiligungen analysiert. Tabus, von denen der Finanzminister spricht, darf es aber nicht geben.“

Bei den Landesbeteiligungen handle es sich nach Auffassung Dörings auch nicht um Tafelsilber, das unantastbar sei. Hier handle es sich in vielen Fällen um Betätigungen des Staates in Marktbereichen, in denen der Staat nach seiner Auffassung von Marktwirtschaft nichts zu suchen habe. Mit den erzielbaren Veräußerungserlösen könne darüber hinaus ganz gezielt in die Zukunft der kommenden Generation investiert werden. Nämlich in einen Abbau der Verschuldung sowie in Zukunftsinvestitionen.

Döring wies noch einmal darauf hin, dass die Unternehmenswerte, die Ernst & Young sehr konservativ geschätzt hätte, nichts mit erzielbaren Verkaufspreisen zu tun hätten, die letztlich in konkreten Verhandlungen erzielbar seien. Laufenden oder künftigen Bieterverfahren werde keinesfalls vorgegriffen.

Abschließend zeigte sich der Wirtschaftsminister erfreut darüber, dass bei dem Finanzministerium offensichtlich alle Unterlagen bereits vorlägen. Gespannt warte er nun auf konkrete Vorschläge seines Kollegen Stratthaus.

Quelle: Wirtschaftsministerium, 25.01.2002

 

 

Private in den Startlöchern

Der Wirtschaftsminister und stellvertretende Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg, Walter Döring, hat heute in Stuttgart seine Forderung bekräftigt, die vier Universitätskliniken und zehn Landeskrankenhäuser in Baden-Württemberg zu privatisieren bzw. eine neue Aufgabenteilung zwischen Land und privaten Investoren in der Krankenhausfinanzierung einzugehen.

Döring: „Die privaten Krankenhausbetreiber Deutschlands haben großes Interesse an einem entsprechenden Engagement in Baden-Württemberg. Daher sollte die Privatisierung so schnell wie möglich mit einem ersten Modellprojekt gestartet werden.“

Dies ging aus einer Anhörung hervor, an der heute auf Einladung des Wirtschaftsministers die renommiertesten privaten Krankenhausbetreibern Deutschlands teilnahmen (Asklepios Kliniken GmbH (Königstein-Falkenstein), Christophsbad (Göppingen), Helios Kliniken GmbH (Fulda), Klinikum Wahrendorff GmbH (Sehnde), MediClin AG (Frankfurt), Rhön Klinikum AG (Bad Neustadt), Sana Kliniken GmbH (München) und Wittgensteiner Kliniken AG (Bad Berleburg)).

In dem Gespräch mit Döring haben die privaten Krankenhausbetreiber erste Vorschläge zur Privatisierung bzw. Teilprivatisierung der Universitätskliniken und der Landeskrankenhäuser entwickelt. Diese reichten von der privaten Betriebsführung bis hin zu Beteiligungen und Übernahmen. Dabei seien Veräußerungserlöse für das Land erzielbar. Auch die laufende Investitionsfinanzierung würde durch die Privaten gesichert, was aufgrund des anstehenden großen Investitionsbedarfs von zentraler Bedeutung sei. Die Forschung und Lehre bei den Universitätskliniken und der Maßregelvollzugs für Straftäter in den Landeskrankenhäusern könnten vertraglich gewährleistet werden. Die privaten Krankenhausbetreiber versicherten auch, dass die Rechte der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Krankenhäusern gesichert blieben.

Döring: „Für eine Privatisierung der Krankenhäuser spricht neben dem ordnungspolitischen Aspekt vor allem das finanzpolitische Argument. Angesichts der hohen Staatsverschuldung müssen dringend Privatisierungspotenziale freigesetzt werden. Dies gilt für alle Privatisierungsmöglichkeiten von der vollständigen materiellen Privatisierung bis zu den Modellen der Public-Private-Partnership.
Gerade im Gesundheitswesen spielen die finanziellen Belange eine überragende Rolle, da die Ausgaben für das Gesundheitswesen stark angestiegen sind.“

Der Anteil der Gesundheitsausgaben am Sozialprodukt in Deutschland ist von 5 % im Jahr 1960 (15 Mrd. DM) auf heute 11 % (415 Mrd. DM) gestiegen. Davon entfällt etwa ein Drittel auf den Krankenhausbereich mit steigender Tendenz. Der Kosten- und der Investitionsdruck auf die öffentlichen Anbieter wird also immer größer werden. Auch die veränderten Vergütungsregelungen für die Krankenhausfinanzierung ab dem Jahr 2003 würden den Druck auf die öffentlichen Krankenhäuser stark erhöhen. Ab 2003 wird die Krankenhausfinanzierung im Gegensatz zu heute unabhängig von der Verweildauer der Patienten generell als Fallpauschalen ausgestaltet.

Döring: „Die Wirtschaftlichkeitsreserven in den Krankenhäusern müssen konsequent ausgeschöpft werden. Die privaten Krankenhausbetreiber sind dazu in der Lage.“

Döring kündigte an, jetzt eine politische Entscheidung der Landesregierung herbeizuführen.

Quelle: Wirtschaftsministerium, 26.11.2001

 

        

 

 

Artikel aus der
Stuttgarter Zeitung
vom 08.06.2002



   Sparpläne verursachen im Rathaus gewaltigen Aufruhr

Bürgermeister Murawski schlägt Kürzungen im Sozialbereich und Privatisierung
des Klinikums vor - OB stoppt Teile des Konzeptes

51 Millionen Euro - das ist die Sparvorgabe, die der Gemeinderat der
Stadtverwaltung bis 2005 gemacht hat. Bürgermeister Klaus-Peter Murawski hat
jetzt eine "Ideensammlung" vorgelegt, die für viel Wirbel sorgt. Die
Gewerkschaft ist bereits auf den Barrikaden.

Von Thomas Faltin

Hinter verschlossenen Türen muss es im Rathaus in den vergangenen Wochen
mächtig gekracht haben: als Teil der Verwaltungsreform hat Bürgermeister
Klaus-Peter Murawski (Grüne) sein Sparkonzept präsentiert. Und manche seiner
Kollegen haben dafür sehr deutliche Worte gefunden. Auf Murawskis Liste
stehen rund 15 Punkte - alle Ämter und Eigenbetriebe wären betroffen.

So könnte laut Liste der städtische Vollzugsdienst ganz abgeschafft und
durch Ehrenamtliche ersetzt werden, wodurch 50 Stellen eingespart würden.
Die Philharmoniker sollen privatisiert werden oder mit anderen Orchestern
fusionieren, die Kur- und Bäderbetriebe könnten die Wartungsarbeiten nach
außen vergeben und so Stellen abbauen. Im Tiefbauamt stünden durch
Privatisierung und Outsourcing 168 Stellen zur Disposition.

Deutliche Einschnitte müssten, wenn die Pläne umgesetzt würden, auch die
sozialen und gesundheitlichen Bereiche hinnehmen. Im Gesundheitsamt fielen
21 Stellen weg, indem man Einschulungsuntersuchungen und Mütterberatung
abschaffte, so die Liste. Die Hilfen zur Erziehung im Jugendamt könnten neu
organisiert und budgetiert werden, was bis zu 14 Millionen Euro bringen
könnte. Im Sozialamt seien zwischen 25 und 75 Mitarbeiter verzichtbar. Und
durch Streichungen in der Sozialhilfe, in der Pflege und in der Krankenhilfe
könnten zudem zwischen 10 und 22 Millionen Euro eingespart werden.

Ein weiterer höchst umstrittener Punkt im Einsparkonzept Murawskis ist die
ins Auge gefasste Privatisierung des Klinikums Stuttgart. Möglich sei, so
heißt es im Papier, der vollständige Verkauf der fünf städtischen
Krankenhäuser oder wahlweise eine GmbH-Lösung, bei der die Stadt eine
Sperrminorität von 25,1 Prozent hielte. Der einmalige Privatisierungserlös
läge bei bis zu 80 Millionen Euro, der jährliche Einspareffekt um die zwei
Millionen Euro.

Diese Idee der Privatisierung scheint aber bereits wieder vom Tisch zu sein.
Oberbürgermeister Wolfgang Schuster will diese Sache nicht weiterverfolgen -
vorerst zumindest. Denn dass der OB dieser Sache nicht grundlegend abgeneigt
ist, hatte sich vor einigen Monaten gezeigt: Da war er selbst mit ähnlichen
Überlegungen vorgeprescht, musste dann aber aufgrund des Gegenwindes schnell
zurückrudern. Dennoch birgt gerade dieser Teil des Konzeptes weit reichenden
politischen Zündstoff. Denn Klaus-Peter Murawski soll nach gegenwärtiger
Planung 2003 der Nachfolger Dieter Blessings als Krankenhausbürgermeister
werden. Der Klinikums-Geschäftsführer Reinhard Schwarz hat nie einen Hehl
daraus gemacht, dass er die Privatisierung will, Blessing hat sich stets
dagegen gesperrt. Mit Murawski als Bürgermeister würden die Karten ganz neu
gemischt.

Allerdings: In einem Brief an den Gemeinderat hat Murawski jetzt versucht,
dem Konzept die Brisanz zu nehmen. Er führe erstens nur aus, was der
Gemeinderat ihm auferlegt habe. Zweitens handele es sich bei dem Papier
lediglich um eine "verwaltungsinterne Ideensammlung", die allenfalls als
Ausgangspunkt für eine umfassende Diskussion anzusehen sei. Drittens betonte
er, dass in einer Sitzung der Bürgermeister am 16. Mai bereits wieder eine
Reihe von Ideen verworfen worden sei. Die Gewerkschaft Verdi lässt sich von
der Erklärung aber nicht besänftigen. Das Sparkonzept könne gravierende
Auswirkungen auf Beschäftigte und Bürger haben - am Montag will Verdi der
Stadt deshalb in einer Pressekonferenz den Marsch blasen.

08.06.2002 - aktualisiert: 08.06.2002, 06:35 Uhr

 

 

 

   Land Baden-Württemberg
   Meldung vom 01.03.2001


Leitbild Zukunftsfähige Trinkwasserversorgung

Experten beleuchten die wesentlichsten Aspekte für die Sicherung der Wasserversorgung

„Die Kommunen sollen auch in Zukunft die Verantwortung für die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg tragen. Die bestehenden Wasserversorgungsstrukturen müssen jedoch optimiert werden, um auch zukünftig wettbewerbsfähig zu bleiben“, erklärte Umwelt- und Verkehrsminister Ulrich Müller bei der Vorstellung des Leitbilds „Zukunftsfähige Trinkwasserversorgung Baden-Württemberg“ am Donnerstag (1. März 2001) vor der Presse in Stuttgart. Der Hauptgeschäftsführer des Städtetags, Dr. Erhard Klotz, begrüßte die vom Umwelt- und Verkehrsministerium angestoßene Initiative, gemeinsam mit Experten aus den von der Wasserversorgung berührten Bereichen die wesentlichsten Aspekte für die Sicherung der Wasserversorgung zu beleuchten. “Die erarbeiteten Grundsätze werden von den beteiligten Experten gemeinsam getragen. Das Leitbild stellt deshalb eine wichtige Grundlage für die Argumentation der Kommunen in der aktuellen Diskussion über die Liberalisierung des Wassermarktes dar.“ Besonders betroffen von dieser Diskussion seien die vielen kleinen Wasserversorgungsunternehmen des Landes. „Das Leitbild ist auch eine gute Grundlage für die Weiterentwicklung der Wasserversorgungsstrukturen in Baden-Württemberg und für die weitere Optimierung unserer kommunalen Wasserversorgungsbetriebe“, lautete das Fazit des Hauptgeschäftsführers des Gemeindetags, Dr. Christian Steger.

Die gemeinsame Vorstellung des Leitbildes durch Umwelt- und Verkehrsministerium, Städtetag und Gemeindetag dokumentiert den Schulterschluss zwischen Land und Kommunen. „Die Weichen für die Sicherung der öffentlichen Wasserversorgung wollen rechtzeitig und richtig gestellt sein. Es ist erforderlich, dass wir auf der Basis des Leitbilds und ausgehend von den bewährten Strukturen in Baden-Württemberg gemeinsam mit den Kommunen Strategien und Handlungsempfehlungen für eine strukturelle Optimierung der Trinkwasserversorgung entwickeln. Nur so können wir die Qualität, die Zuverlässigkeit und die Wirtschaftlichkeit der Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg auch in der Zukunft sichern“, erklärte Minister Müller.

Zur Erarbeitung des Leitbildes hatte das Ministerium für Umwelt und Verkehr Experten aus allen mit der Trinkwasserversorgung berührten Bereichen zu einem Dialog über die Weiterentwicklung der Wasserversorgungsstrukturen in Baden-Württemberg eingeladen. In dem folgenden Dialogprozess wurden die wesentlichen Aspekte für die Sicherung der Wasserversorgung in Baden-Württemberg aus Sicht der maßgeblich betroffenen Akteure beleuchtet und diskutiert. Das vorliegende Leitbild fasst – so der Minister - in sechs Leitsätzen die wichtigsten Eckpunkte zusammen, die aus Sicht der Fachleute für die Sicherung der Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg wichtig sind:
 Qualität und Sicherheit stehen bei der Versorgung der Bevölkerung an erster Stelle.
 Der vorsorgende Schutz und der nachhaltige Umgang mit der Ressource Wasser ist Voraussetzung für die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung zukünftiger Generationen.
 Die optimale Versorgung der Kunden mit einwandfreiem Trinkwasser zu angemessenen Preisen hat Vorrang vor der Gewinnerzielung.
 Die sichere Trinkwasserversorgung ist ein wesentlicher Teil der Daseinsvorsorge, die Kommunen in Baden-Württemberg sollen hierfür auch in Zukunft die Verantwortung tragen.
 Örtliche Wasserversorgungen, Gruppenwasserversorgungen und Fernwasserversorgungen sind die drei Säulen der öffentlichen Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg. Ihre Funktionsfähigkeit und ihr Verbund untereinander gewährleisten die sichere Trinkwasserversorgung.
 Weitere Effizienzsteigerungen können die Wasserversorgungsunternehmen mit internen Maßnahmen und durch die Bündelung der Kräfte erreichen. Möglichkeiten dazu sind nach den Empfehlungen des Leitbilds Kooperationen oder Zusammenschlüsse, regionale Verbünde und Netzwerke sowie die gemeinsame Erledigung von Aufgaben und die Einschaltung privater Dienstleister.

Die Trinkwasserversorgung in Baden-Württemberg wird derzeit von mehr als 1370 überwiegend kommunal geführten Wasserversorgungsunternehmen wahrgenommen. Diese historisch gewachsene Versorgungsstruktur der öffentlichen Wasserversorgung im Land mit der Nutzung ortsnaher Wasservorkommen und der Ergänzung durch Gruppenwasserversorgungen und Fernwasserversorgungen vor allem in Wassermangelgebieten hat sich nach Darstellung des Ministers gut bewährt. Die durchgreifenden Veränderungen auf dem Energie- und Telekommunikationsmarkt gäben jedoch Anlass, die Effizienz bei der Erbringung von Leistungen der Daseinsvorsorge noch stärker als bisher unter die Lupe zu nehmen. Dies gelte besonders für die vielen kleinen kommunalen Wasserversorgungen in unserem Land, die mit einem Anteil von 50% an der Deckung des Wasserbedarfs eine wesentliche Säule der Trinkwasserversorgung bilden. Diese könnten durch die öffentliche Diskussion um die Liberalisierung des Wassermarktes sowie durch gestiegene Anforderungen an Qualität und Versorgungssicherheit unter zunehmenden Druck zu strukturellen Veränderungen geraten.

Die strukturellen Veränderungen würden aber nicht zwangsläufig bedeuten, dass kommunale Wasserversorgungen zukünftig nicht mehr konkurrenzfähig sind. „Modernes Management und kundenorientiertes Kostenbewusstsein sind Leistungsgrundlagen der öffentlichen Versorgungswirtschaft, deren Kunden vom kommunalen Dienstleistungsverbund aus Wasserversorgung und Abwasserbeseitigung, Abfallentsorgung, Energie und Nahverkehrsleistungen sowie den daraus entstehenden Synergieeffekten in den Bereichen Versorgungsnetze, Instandhaltung, technische Betreuung und Kundenbeziehung profitieren,“ stellte Dr. Klotz heraus. Nach Einschätzung von Dr. Steger können sinnvolle betriebliche Kooperationen die Leistungsfähigkeit der kleineren Unternehmen stärken, die Betriebsabläufe rationalisieren und somit Kosten sparen und die Wirtschaftlichkeit verbessern. „Leistungsfähige Einheiten orientieren sich nicht an Gemeindegrenzen. Hier müssen vor allem die kleineren Wasserversorger beraten und Zusammenschlüsse unterstützt werden. Leistungsfähige Wasserversorgungsunternehmen haben als Dienstleister für die kleineren Versorger eine besondere unternehmerische Chance, aber auch eine Verpflichtung der Daseinsvorsorge“, betonte Dr. Steger.

Die Kommunalen Landesverbände und das Ministerium für Umwelt und Verkehr wollen es deshalb nicht mit dem Leitbild bewenden lassen. Jetzt würden konkrete Empfehlungen und Hilfestellungen zur Verbesserung der Strukturen in der Wasserversorgung erarbeitet und zur Verfügung gestellt. Gemeinsam mit den kommunalen Landesverbänden wolle man nun die Erarbeitung eines Leitfadens in Angriff nehmen. In diesen Leitfaden sollen neben der Darstellung der grundsätzlich möglichen Formen der Zusammenarbeit auch Hilfestellungen für die praktische Umsetzung sowie bereits erfolgreich in Baden-Württemberg praktizierte Kooperationen und Zusammenschlüsse aufgenommen werden. „Die kommunalen Wasserversorgungsunternehmen im Land stellen die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger mit Trinkwasser sicher. Sie leisten damit einen wesentlichen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge und zum vorsorgenden Schutz und nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser. Es kommt jetzt vor allem darauf an, die vielen kleinen Wasserversorger im Land für die Zukunft fit zu machen. Dabei können auch privates Kapital und Know-how eingesetzt werden und zur Steigerung der Leistungsfähigkeit beitragen. Wichtig dabei ist, dass die Kommunen auch zukünftig die Verantwortung für die Sicherstellung der Trinkwasserversorgung tragen und den dazu notwendigen Einfluss auf die Aufgabenerledigung sicherstellen“, erklärte Minister Müller.

„Vorbildliche Beispiele für diese Aufgabenerledigung gibt es in Baden-Württemberg genug“, stellte Minister Müller fest. „Wir werden einige dieser von den Kommunen ausgeführten Beispiele dokumentieren und entsprechende Handlungsempfehlungen vorlegen. Diese Empfehlungen sollen Kommunen, Wasserversorgungsunternehmen und Fachverwaltungen über die Möglichkeiten zur Kosteneinsparung durch innovative Problemlösungen anhand konkreter ausgeführter Beispiele informieren und zur Nachahmung anregen."

Quelle: Ministerium für Umwelt und Verkehr

 

 

Zweckverband Landeswasserversorgung

43. Verbandsversammlung

Stuttgart 18. Juli 2001

Presse-Information

Sonderfinanzierung durch eine US-Cross-Border-Lease-Transaktion

Ziel der Transaktion

Die Landeswasserversorgung (LW) plant, für ihre Trinkwasserversorgungsanlagen Fassungsanlagen, Wasserwerke, Haupt- und Zubringerleitungen - mit einem Marktwert von rund 1,4 Mrd. DM eine US-Cross-Border-Lease-Transaktion durchzuführen. Dabei handelt es sich um die Möglichkeit einer Sonderfinanzierung, weiche im kommunalen Bereich bundesweit bereits seit rund 10 Jahren eingesetzt wird. In Baden-Württemberg haben sich bisher die Städte Stuttgart, Ludwigsburg, Ulm und Konstanz, sowie der Landkreis Böblingen und der Alb-Donau-Kreis dieses Finanzierungsinstrumentes bedient.

Das Ziel der Transaktion ist es, zugunsten der LW einen sogenannten NettoBarwertvorteil in Höhe von ca. 70 Mio. DM zu erreichen. Dies wird dadurch möglich., dass ein US-amerikanischer Investor, die First Union Bank, in den USA Vorteile über Steuerstundungseffekte erzielt. Es handelt sich dabei also nicht um ein Steuersparmodell. Einen Großteil der Steuervorteile gibt der Investor dann an seinen deutschen Vertragspartner, in diesem Fall die LW ' weiter. Der Barwertvorteil unterliegt bei der LW der Körperschaftssteuer sowie dem Solidaritätszuschlag, so dass der Landeswasserversorgung ausgehend vom vorstehend genannten Betrag ca. 50 Mio. DM verbleiben.

Dieser Betrag steht unmittelbar nach Zeichnung der Transaktionsverträge, voraussichtlich im September 2001, zur Verfügung. Ein Zins- und Währungsrisiko besteht bei einem ungestörten Vertragsablauf nicht, da alle Zahlungsströme in US-Dollar geleistet werden und die Gelder über die gesamte Vertragsdauer festverzinslich angelegt werden.

Seitens der LW ist geplant, den Erlös der Transaktion zur Finanzierung ihrer Investitionen zu nutzen und somit langfristig den Bestand der LW-Anlagen zu sichern. Sie vermeidet dadurch die Aufnahme entsprechender Kredite und die damit verbundenen Schuldzinsen. Dies kommt ihren Kunden bzw. den Bürgerinnen und Bürgern in Form von niedrigeren Wasserpreisen zugute.

Zweckverband Landeswasserversorgung

43. Verbandsversammlung

Stuttgart 18. Juli 2001

Presse-Information

Sonderfinanzierung durch eine US-Cross-Border-Lease-Transaktion

Ziel der Transaktion

Die Landeswasserversorgung (LW) plant, für ihre Trinkwasserversorgungsanlagen Fassungsanlagen, Wasserwerke, Haupt- und Zubringerleitungen - mit einem Marktwert von rund 1,4 Mrd. DM eine US-Cross-Border-Lease-Transaktion durchzuführen. Dabei handelt es sich um die Möglichkeit einer Sonderfinanzierung, weiche im kommunalen Bereich bundesweit bereits seit rund 10 Jahren eingesetzt wird. In Baden-Württemberg haben sich bisher die Städte Stuttgart, Ludwigsburg, Ulm und Konstanz, sowie der Landkreis Böblingen und der Alb-Donau-Kreis dieses Finanzierungsinstrumentes bedient.

Das Ziel der Transaktion ist es, zugunsten der LW einen sogenannten Netto-Barwertvorteil in Höhe von ca. 70 Mio. DM zu erreichen. Dies wird dadurch möglich., dass ein US-amerikanischer Investor, die First Union Bank, in den USA Vorteile über Steuerstundungseffekte erzielt. Es handelt sich dabei also nicht um ein Steuersparmodell. Einen Großteil der Steuervorteile gibt der Investor dann an seinen deutschen Vertragspartner, in diesem Fall die LW ' weiter. Der Barwertvorteil unterliegt bei der LW der Körperschaftssteuer sowie dem Solidaritätszuschlag, so dass der Landeswasserversorgung ausgehend vom vorstehend genannten Betrag ca. 50 Mio. DM verbleiben.

Dieser Betrag steht unmittelbar nach Zeichnung der Transaktionsverträge, voraussichtlich im September 2001, zur Verfügung. Ein Zins- und Währungsrisiko besteht bei einem ungestörten Vertragsablauf nicht, da alle Zahlungsströme in US-Dollar geleistet werden und die Gelder über die gesamte Vertragsdauer festverzinslich angelegt werden.

Seitens der LW ist geplant, den Erlös der Transaktion zur Finanzierung ihrer Investitionen zu nutzen und somit langfristig den Bestand der LW-Anlagen zu sichern. Sie vermeidet dadurch die Aufnahme entsprechender Kredite und die damit verbundenen Schuldzinsen. Dies kommt ihren Kunden bzw. den Bürgerinnen und Bürgern in Form von niedrigeren Wasserpreisen zugute.

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Ablauf der Transaktion

Im Rahmen eines Hauptmietvertrages wird die LW ihre Fernwasserversorgungsanlagen auf die Dauer von voraussichtlich 99 Jahren an einen US-Trust vermieten. Zeitgleich werden dieselben Anlagen auf die Dauer von voraussichtlich 29 Jahren zurückgemietet. Nach Ablauf des Rückmietvertrages, also nach 29 Jahren, hat die LW das alleinige und uneingeschränkte Recht, den Hauptmietvertrag zu beenden. Dabei bleibt die LW sowohl nach dem amerikanischen wie auch nach dem deutschen Recht Eigentümer aller Anlagen. Zugleich behält die Landeswasserversorgung das uneingeschränkte wirtschaftliche Nutzungsrecht für die gesamte Laufzeit des Rückmietvertrages.

Beschlussfassung durch die Verbandsversammlung

Das geplante Vorhaben der Sonderfinanzierung durch eine US-Cross-Border-Lease-Transaktion wird seitens der LW-Geschäftsleitung den Verbandsmitgliedern der Landeswasserversorgung am 17. Juli 2001 im Rahmen einer außerordentlichen Verbandsversammlung vorgestellt und zur Abstimmung vorgelegt.

Das Abstimmungsergebnis stellt sich wie folgt dar. Von den insgesamt 600 Stimmen der LW-Verbandsversammlung sind 569 Stimmen anwesend. Gegen das geplante Transaktionsvorhaben werden 93 Stimmen abgegeben, es gibt 9 Enthaltungen, 467 Stimmen entscheiden sich für das Vorhaben. Damit stimmen die Verbandsmitglieder der LW der Sonderfinanzierung durch eine US-Cross-Border-Lease-Transaktion zu.

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Bernhard Röhrle / Pressesprecher

18. Juli 2001

Zweckverband Landeswasserversorgung

Schützenstraße 4

70182 Stuttgart

Tel.-Nr.- 0711 / 2175 - 113

Fax- 0711 / 2175 - 202

E-Mail- roehrle.b@lw-online.de

 

 

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