FTD 10.06.2010, 18:27

BCG-Untersuchung

Die Millionäre sind zurück

Die Finanzkrise vernichtete Abermilliarden an Vermögen. Doch schon 2009 erreichten die global verwalteten Vermögen laut einer Studie wieder das Vorkrisenniveau. In Deutschland legt die Zahl der Millionäre kräftig zu. Banken und andere Vermögensverwalter profitierten davon allerdings nicht. von Matthias Ruch  New York

Die verwalteten Vermögen haben weltweit 2009 wieder das Volumen erreicht, das sie vor dem Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 hatten: Sie lagen nach einer Studie zur globalen Wohlstandsentwicklung der Boston Consulting Group (BCG) bei gut 112.000 Mrd. $. Die Studie wurde am Donnerstag in New York vorgestellt. Davon entfallen 37.100 Mrd. $ auf Europa und 35.100 Mrd. $ auf Nordamerika. Auch die Zahl der Millionärshaushalte lag 2009 mit 11,2 Millionen wieder auf dem Niveau von 2007.
Allein in Deutschland wurden im vergangenen Jahr 430.000 Haushalte mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 1 Mio. $ gezählt - ein Zuwachs um 23 Prozent. Die meisten Millionäre leben in den USA, wo 4,7 Millionen Haushalte ermittelt wurden. Danach folgt Japan mit 1,2 Millionen.
Für den Zeitraum bis 2014 sagt BCG ein durchschnittliches Wachstum des weltweiten Vermögens um jährlich sechs Prozent voraus. Trotz stetig steigender Volumina wollen die BCG-Berater allerdings noch nicht von einer "Rückkehr zur Normalität" sprechen. Denn das Vertrauen der Kunden in die Banken und Verwalter ist nach wie vor angeschlagen.
Auch die Vermögensverwalter sind noch nicht über den Berg. Trotz der steigenden Anlagen ihrer Kunden mussten sie im vergangenen Jahr weltweit einen Rückgang ihrer Einnahmen um gut sieben Prozent hinnehmen. "Die durchschnittliche Profitabilität der Vermögensverwalter fiel auf 22 Basispunkte - bedingt durch sinkende Einnahmen und eine steigende Kostendeckungsquote", heißt es in der Studie der Berater. Im Jahr 2008 hatte die Profitabilität noch bei 27 Basispunkten gelegen.
 
 
Teil 2: Beachtliche Vermögenswerte in einfachen Produkten
Die Studie erfasst jährlich die Vermögenswerte von Privatanlegern in Form von Bargeld, Aktien, Wertpapieren und Fonds. Im Vergleich zum Vorjahr ist das Volumen dieser verwalteten Anlagen 2009 um weltweit 14,3 Prozent gestiegen. Zugleich konnten die Finanzinstitute, die diese Vermögen verwalten, ihre Kosten um gut drei Prozent senken.
Dass ihre Einnahmen trotzdem zurückgingen, führen die BCG-Berater vor allem auf sinkende Preise und einer Umschichtung großer Vermögen in sicherere Anlageformen zurück: "Die Anleger haben weiterhin beachtliche Vermögenswerte in einfachen Produkten mit geringen Margen geparkt. Gleichzeitig möchten sie die Kontrolle über ihr Vermögen behalten und sind bei der Anlage ihrer Gelder zurückhaltend."
 
 
In Europa, wo die Einnahmen der Vermögensverwalter bereits 2008 um 12,6 Prozent gefallen waren, liegt der Rückgang 2009 mit weiteren 9,7 Prozent deutlich über dem globalen Wert von 7,3 Punkten. Mit dem Glauben an eine gesamtwirtschaftliche Erholung dürfte nach Ansicht vieler Vermögensmanager auch die Bereitschaft der Anleger wieder steigen, sich auf komplexere Produkte mit höheren Renditen einzulassen. Einige hätten bereits damit begonnen, ihre Gelder aus sicheren Anlageklassen abzuziehen, heißt es in der Studie.
Belastungen der Vermögensverwalter prognostiziert die Studie aber auch für die kommenden Jahre: Infolge regulatorischer Veränderungen müssten zahlreiche Banken und Wertpapiermakler weiter in Compliance-Prozesse und Risikomanagement investieren. Dies bringt höheren IT- und Betriebskosten mit sich.
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