Einkommens-Millionäre - Bundeskanzler Schröder will Spitzeneinkommen an den Erfolg des Unternehmens knüpfen. Thierse: Das ist ein obszöner Vorgang

Manager-Gehälter erzürnen Politiker  (GEA 22.12.03)

BERLIN. Das durchschnittliche Jahresgehalt eines Daimler-Chrysler-Vorstands: 3694545 Euro. Bei der Deutschen Bank: 2063500 Euro. Bei Volkswagen: 1821884 Euro. Und dies, obwohl die Geschäfte der großen deutschen Konzerne in diesen Zeiten allesamt nicht besonders gut laufen. Die Spitzengehälter in den Chefetagen der Wirtschaft haben kurz vor Weihnachten auch die Politik erzürnt.

Bundeskanzler Gerhard Schröder verlangte in einem Interview in der »Bild am Sonntag«, die Manager-Gehälter künftig strikt an den Unternehmenserfolg zu koppeln. »Wer erfolgreich ist, soll ordentlich verdienen«, billigte der SPD-Chef den Unternehmern zu. »Da bin ich überhaupt nicht neidisch. Aber wenn das nicht der Fall ist, müssen die Gehälter auch kräftig sinken.« Zum Vergleich: Der Kanzler verdient rund 16 000 Euro brutto im Monat. Wie das gesamte Kabinett hat er auf die nächste Gehaltserhöhung verzichtet.

Bundestagspräsident Wolfgang Thierse wurde noch deutlicher. »Das ist ein obszöner Vorgang: An einem Ende verlangt man unvermeidliche Einbußen, am anderen steigen die ohnehin schon irrsinnigen Gehälter der Vorstandsmitglieder noch weiter«, wetterte der SPD-Vize in der »Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung«.

Auslöser des jüngsten Zorns ist eine Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Demnach wurden die Vorstandsgehälter der 30 DAX-Firmen 2002 trotz Konjunkturkrise kräftig angehoben. Im Durchschnitt verdiente ein Vorstand 1,25 Millionen Euro - 90000 Euro mehr als im Jahr zuvor. Zugleich schrieben mehrere Konzerne Milliardenverluste, in vielen Unternehmen wurden Stellen abgebaut, und die Einkommen der Normalverdiener stiegen kaum. Nach der DSW-Studie gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den Unternehmen. Mit Abstand am besten ließ es sich bei Daimler-Chrysler verdienen. Dort erhöhten sich die Vorstandsvergütungen binnen Jahresfrist um 130 Prozent. Dagegen zahlte der Chipproduzent Infineon den Vorständen »nur« 278 261 Euro - Schlusslicht im DAX.

Die Manager-Millionäre rechtfertigen die Erhöhung der Bezüge gern damit, dass im Ausland noch besser verdient wird. In der Tat liegen die Einkommen im internationalen Vergleich eher im Mittelfeld. Allerdings unterschlagen die deutschen Unternehmensführer gern, dass ihre Verträge in der Regel länger laufen und die Alters- und Abfindungsregelungen besser sind als bei den Kollegen im Ausland. (dpa)

 

© Reutlinger General-Anzeiger 2003