Umfrage: Deutsche Politiker sind korruptionsanfällig /t-news 8.1.04)

Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger halten Politiker und Parteien für korruptionsanfällig. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts "Emnid" im Auftrag von "Reader's Digest" glauben 43 Prozent der Befragten, dass Korruption bei den Parlamentariern in Bund und Ländern "eher häufig" vorkommt. Bei Bundestagsabgeordneten halten 23 Prozent Korruption sogar für "sehr häufig". Landtagsabgeordneten trauen das 17 Prozent zu.

 

Kommunalpolitiker haben besseres Image
Gemeinderäte genießen bei den Bundesbürgern ein etwas besseres Image: Nur acht Prozent glauben, dass Korruption in den Gemeindeparlamenten "sehr häufig" vorkommt. 33 Prozent rücken die Gemeinderäte "eher häufig" in die Nähe von Korruption.

 

Parteienfinanzierung fördert Korruption
Am häufigsten wird das Thema Korruption mit Parteienfinanzierung in Zusammenhang gebracht. 78 Prozent glauben, dass es in diesem Bereich "sehr häufig" oder "eher häufig" nicht mit rechten Dingen zugeht. Mehr oder weniger häufige Fälle von Bestechung bei der Vergabe von Großaufträgen staatlicher Unternehmen unterstellen 71 Prozent der Befragten.

 

Kohl führt "Bestechungscharts" an
Auf die Frage nach Fällen von Bestechung, die besonders in Erinnerung geblieben sind, wurde von den Befragten am häufigsten die Spendenaffäre um Helmut Kohl (18 Prozent) genannt. Auf dem zweiten Platz landete der Kölner Müllskandal mit 13 Prozent.

 

Wann beginnt Korruption?
Die Einschätzung, ab wann Anbieten oder Annahme von Geld- und Sachleistungen Bestechung ist, geht weit auseinander. 23 Prozent der Befragten sehen schon einen Betrag von bis zu zehn Euro als Korruption an, elf Prozent sehen diese Schwelle erst bei mehr als 10.000 Euro überschritten.

 

"Durchschnittlich korrupt"
Das Bild des "sauberen Deutschlands" findet kaum Bestätigung: Innerhalb der EU sehen 59 Prozent der Befragten Deutschland als "durchschnittlich korrupt" an. Nur acht Prozent der Bundesbürger glauben, dass ihr Land "eines der am wenigsten korrupten Länder" in der EU sei.