23. Mai 2011, 18:34 Uhr

Griechenland startet Ausverkauf

Griechenland verscherbelt jetzt sein Tafelsilber und macht Ernst mit den Privatisierungsplänen: Unter anderem sollen Anteile an zwei Häfen und der Postbank verkauft werden. Und das ist erst der Anfang. Die Verkaufsliste der Helenen ist riesig.

 
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Viel besungen, viel wert: der Hafen von Piräus© Orestis Panagiotou/Epa/DPA

Das hoch verschuldete Griechenland startet seine milliardenschwere Privatisierung. Die Verkäufe sind Teil eines neuen drastischen Sparprogramms, das am Montagabend vom Kabinett beschlossen wurde. "Wir zielen auf die Rettung unseres Landes", sagte ein Regierungssprecher. "Das ist der Fahrplan zur Beschleunigung der großen Reformen und dem Ausgang aus der Krise." Das Paket ist Voraussetzung dafür, dass weiter Mittel aus dem internationalen Hilfsprogramm von EU und IWF nach Athen fließen.

Den Anfang der Verkaufswelle machen Anteile an der TT Hellenic Postbank, OTE Telecom, den Häfen in Piräus und Thessaloniki und der dortigen Wassergesellschaft. Sie sollen laut Finanzminister Giorgos Papakonstantinou "sofort" abgestoßen werden. In einer zweiten Phase sollen dann die Beteiligungen an Energieversorgern folgen.

Defizit soll bis 2015 unter ein Prozent sinken

Mit dem Verkauf von Staatseigentum wollen die Griechen 50 Milliarden Euro bis zum Jahr 2015 einnehmen. Zudem wurden allein für dieses Jahr zusätzliche Sparmaßnahmen in Höhe von sechs Milliarden Euro beschlossen. Weitere 22 Milliarden Euro sollen zwischen 2012 und 2015 durch weitere Steuern in die Staatskassen fließen. 2015 soll das Defizit unter ein Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) fallen, hieß es.

Griechenland hat nur noch bis Mitte Juli Geld, um seine Verpflichtungen zu erfüllen und Löhne sowie Pensionen zu zahlen. Am Dienstag will Papandreou die Oppositionschefs über die Lage informieren und deren Zustimmung zu den Sparmaßnahmen einfordern, wie es in Athen heißt. Am Mittwoch werden in der Hauptstadt die Chefs der Expertengruppen der EU, des IWF und der Europäischen Zentralbank erwartet. Sie wollen hören, wie die griechischen Regierung aus der Krise kommen will.

Das steht alles zum Verkauf

Die Verkaufsliste der Griechen ist lang, sehr lang. Auf ihr stehen neben den genannten Unternehmen:

- Das staatliche Glücksspielunternehmen Opap

- Die Gaswerke

- Die Waffenindustrie

- Der Flughafen Athen (50 Prozent) und der alte geschlossene Flughafen von Athen Hellinikon

- Kleine Erdgasvorkommen im Meer vor der Hafenstadt Kavala

- Die Mautrechte für die griechischen Autobahnen

- Die Bahn

- Teile der Elektrizitätsgesllschaft DEI

- Eine Aluminiumfabrik

- Ein Kasino nahe Athen

- Eine Lastwagenfabrik

- Weitere kleinere Flughäfen und Häfen

 
ben/mad/AFP/DPA/Reuters
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