junge Welt vom 26.11.2004
 
Inland
Arbeitsplatzvernichtung durch Ein-Euro-Jobs
Bisher bereits über 46000 Erwerbslose in Billigjobs vermittelt.
Wirtschaftsministerium gibt Gefährdung regulärer Beschäftigung im
Reinigungsgewerbe zu
jW-Bericht  
 
Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) sind bislang 1,3 Millionen
Anträge auf Arbeitslosengeld II und damit die Hälfte der von der BA
erwarteten 2,6 Millionen Anträge erfaßt. 700000 Bescheide wurden von der
Nürnberger Agentur bereits verschickt. Bisher haben mehr als 46000
Erwerbslose einen der sogenannten Ein-Euro-Jobs angenommen. Bis zum 1.
Januar können diese noch abgelehnt werden. Dennoch sind vor allem in
Ostdeutschland bereits viele dieser Arbeitsverhältnisse entstanden. An der
Spitze steht dabei Sachsen-Anhalt mit 8900. In Thüringen sind bislang 5900,
in Sachsen 5700, in Berlin und Brandenburg 5600 und in
Mecklenburg-Vorpommern 3800 dieser Billigjobs vergeben worden. In
Nordrhein-Westfalen sind es hingegen lediglich 2400, in Schleswig-Holstein
und Niedersachsen/Bremen jeweils 1800, in Hamburg 1500, in Rheinland-Pfalz
1400 und im Saarland 700. Andere Regionaldirektionen der Bundesagentur haben
die entsprechenden Zahlen noch nicht gemeldet.

Gewerkschaften und soziale Initiativen haben oftmals argumentiert, daß die
Billigjobs reguläre Beschäftigungsverhältnisse verdrängen würden. Das räumt
nun offenbar auch das Bundeswirtschaftsministerium ein. So zitierte die
Berliner Zeitung am Donnerstag aus einem Schreiben des Staatssekretärs
Rudolf Anzinger an den Bundesinnungsverband des Gebäudereinigerhandwerks.
Dieser hatte zuvor die Befürchtung geäußert, Ein-Euro-Jobs könnten
Verdrängungsmechanismen auf dem normalen Arbeitsmarkt in der Branche
auslösen. Er teile diese Bedenken, erklärt Anzinger in dem im Auftrag der
Ministerien für Wirtschaft und Gesundheit verfaßten Schreiben, und gibt zu,
die Förderung von Zusatzjobs im Reinigungsgewerbe werde »negative
Auswirkungen« auf den Arbeitsmarkt haben. Der Zentralverband des Deutschen
Handwerks (ZDH) forderte die Regierung auf, die Einführung der Ein-Euro-Jobs
sofort zu stoppen. Das Handwerk werde allein im laufenden Jahr aus
konjunkturellen Gründen 178000 Beschäftigte verlieren. »Diese Entwicklung
wird jetzt von Staats wegen gefördert«, so ZDH-Präsident Dieter Philipp.

 
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