Ärztepräsident will Rangliste für Gesundheitsleistungen

Berlin (Reuters) - Ärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe plädiert für eine Rangliste medizinischer Leistungen, die auch in Zukunft noch von der gesetzlichen Krankenversicherung bezahlt werden sollen.

Als Folge der Unterfinanzierung im Gesundheitswesen würden die medizinischen Leistungen für die Patienten längst heimlich begrenzt und das Notwendige werde dem Finanzierbaren angepasst, erläuterte Hoppe in Berlin.

Wenn schon rationiert werde, müssten dafür transparente Kriterien gefunden werden. Hoppe schlug die Einrichtung eines Gesundheitsrates vor. Dieser müsse entscheiden, was für die Patienten am wichtigsten, am zweitwichtigsten oder medizinisch nicht notwendig sei.

Bei der Bundesregierung und den gesetzlichen Krankenkassen stieß der Vorstoß am Freitag auf Kritik. "Wir teilen weder die Analyse noch die Schlussfolgerung", sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums. Der Sprecher des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung, Florian Lanz, sagte: "Wenn die Ärztekammer eine Streichliste aufstellen möchte, dann geht das in die falsche Richtung. Wir wollen notwendige Leistungen finanzieren und nicht danach suchen, was gestrichen werden könnte." Mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss von Ärzten und Kassen gebe es schon jetzt eine "gute und bewährte Institution", die innerhalb gesetzlicher Vorgaben über den Leistungskatalog der Krankenkassen entscheide.

Hoppe regte an, ein neu zu schaffender Gesundheitsrat solle Experten verschiedener Bereiche bestehen: aus eng im Praxisalltag verwurzelten Ärzten, Ethikern, Juristen und Patientenvertretern. Das Gremium müsse Thema für Thema abarbeiten und der Politik Vorschläge machen. "Rationierung zu verschweigen und einfach unter den Teppich zu kehren, geht heute nicht mehr", sagte er.

Knapp zwei Wochen vor dem 112. Deutschen Ärztetag in Mainz kritisierte der Ärztepräsident, der Zugang zu einer am medizinischen Fortschritt orientierten Gesundheitsversorgung werde zunehmend erschwert. Der Grund seien die zunehmende Wettbewerbsorientierung des Gesundheitswesens, der Abbau flächendeckender Versorgungsstrukturen und ökonomisch geprägte Therapievorgaben. Über eine reine Umverteilung seien die Probleme nicht mehr zu lösen.

Quelle: Reuters | Inlandsnachrichten (8. Mai 2009) Themen: Berlin , Germany , Mainz , Western Europe , Europe , German General News , Domestic Politics , Central AND Eastern Europe , Health AND Medicine , Labour; Employment; Unemployment , Financials , Kriterien , Reuters , Juristen , Macro-economics , Insurance (industry Group) , Healthcare , Healthcare Services , Pharmaceuticals (sub-industry)